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Schweigemarsch in Wien für verfolgte Christen mit Schönborn, Arsenios

Wien (APA) - Rund 105.000 Christen werden weltweit jährlich getötet, 75 Prozent der religiös Verfolgten sind Christen. Mit Fakten wie diesen...

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Wien (APA) - Rund 105.000 Christen werden weltweit jährlich getötet, 75 Prozent der religiös Verfolgten sind Christen. Mit Fakten wie diesen und mit Fragen nach den Gründen für die Radikalisierung des Islam befassten sich am Freitagabend in Wien Experten in einer Diskussion zum Thema „Tod den Christen und Verrat am Koran“.

Die Diskussion im Curhaus folgte auf einen „Schweigemarsch für Verfolgte Christen“ durch die Kärntnerstraße zum Stephansdom. Daran nahmen auch der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios sowie geistliche Würdenträger verschiedener christlicher Gemeinschaften teil. Ähnliche Veranstaltungen hatte die NGO Christian Solidarity International (CSI) an den Vortagen in Graz und Salzburg abgehalten.

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Der italienische Religionssoziologe Massimo Introvigne sieht drei Gründe für den hohen Blutzoll unter den Christen in aller Welt: den radikalen Islamismus, repressive Regime wie in das kommunistische in Nordkorea sowie die religiöse Stammeskultur in Afrika und Asien. Er erinnerte daran, dass die radikal-islamische Al Kaida bei ihrem Entstehen vor etwa 20 Jahren gegen den Westen gerichtet war und erst später auf Christen zielte, um ganze Zonen zu islamisieren.

Der ägyptische Jesuit Samir Khalil Samir, der im Libanon lehrt und auch Imame ausbildet, wies darauf hin, dass an vielen Stellen im Koran von Tötung „Ungläubiger“ die Rede sei. Islamische Terroristen berufen sich bei ihren Terroraktionen auf Fatwas, um Gewalt zu rechtfertigen. „Korantexte werden wörtlich genommen, ohne den Versuch, diese auch zu verstehen.“ Im Libanon spreche man oft von zwei Arten des Islam – dem rückwärts gewandten der Beduinen wie in Saudi-Arabien und dem urbanen Islam wie im Libanon. Muslime sehen aber auch das „schlechte Beispiel des Westens“ mit seiner sexuellen Freizügigkeit, woraus die Frage resultiere: „Wollt ihr so werden wie sie?“ Die Antwort der Muslime sei dann: Rückkehr zu den Anfängen.

Mit der zunehmenden Immigration aus islamischen Ländern bedürfe es in Europa dringend eines europäischen Islams, darin waren sich beide Experten einig. Die Umsetzung sei allerdings schwierig. Die Golf-Araber finanzieren tausende Imame, doch für diese „bedeutet studieren auswendig lernen“, nicht reflektieren oder diskutieren. Wenn er in Europa mit modernen Muslimen diskutiere, seien diese Gesprächspartner immer Laien, sagte Khalil. Introvigne stellte fest, dass in Italien viele islamische Gemeinden hier ausgebildete Imame als „verwestlicht“ ablehnen.

Ein spezifisches Problem des Islam, der sich nicht an die moderne Welt anpasst, sei auch die Vermischung zwischen Ethik und Recht, erläuterte der Theologe und Islamwissenschafter Khalil. Dass diese als identisch aufgefasst werden, bedeute in der Folge auch, dass die Menschenrechte nicht anerkannt werden. Es gelte vielmehr das, was die Scharia, das islamische Recht, vorschreibe. Introvigne, der zur Problematik Diskriminierung von Christen auch lange für die OSZE tätig war, lehnt den Terminus „moderater Islam“ ab, da dies oft nur für Außenseiter zutreffe.

Auf dem Marsch durch die Kärntnerstraße, an dem rund tausend Menschen teilnahmen, wurde auf Transparenten an die Christenverfolgung in aller Welt, so im Nahen Osten, in Indien, Pakistan, in Nigeria und Nordkorea erinnert. Die ILMÖ, die Initiative Liberaler Muslime Österreich, war mit einem Transparent vertreten mit der Aufschrift „Stoppt Morddrohungen gegen liberale Muslime in Österreich“. Auch an die Verschleppung zweier orthodoxer Bischöfe in Syrien wurde erinnert: „386 Tage warten wir auf Sie.“

Beim anschließenden ökumenischen Gottesdienst im Stephansdom warnte Pater Samir in der Predigt vor dem Verschwinden der Christen im Nahen Osten: „Das wäre eine Katastrophe.“ Auch Muslime im Libanon empfänden den Exodus als „Verlust“. Heute sei es oft im Westen schwieriger, Zeugnis als Christ abzulegen als im Nahen Osten, fügte Khalil hinzu. Zwischen Religion und Staat zu unterscheiden, das habe der Westen im Übrigen vom Evangelium gelernt und nicht von der Französischen Revolution, so der Theologe.


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