Nordische-Ski-WM 2019

34.450 km für Seefelds WM

Der Durst nach Bier war schnell gestillt, der nach Rekorden nicht: Dennis Kimetto.Foto: Reuters

Am 5. Juni entscheidet ein Gremium des Internationalen Skiverbands FIS, wer die nordische Ski-WM 2019 austrägt. Seefeld rührte mit einer Weltreise die Werbetrommel.

Von Florian Madl

Innsbruck –Lobbying nennt sich die legale Version von Compliance. Letzteres geriet im Zusammenhang mit der Vergabe von Sportgroßveranstaltungen ins Kreuzfeuer. Doch die Zeiten, wo Bewerber die Stimmberechtigten mit Geschenkuhren am Hotelbett für sich einnehmen konnten, sind längst vorbei.

Seefelds Bürgermeister Werner Frießer und dem örtlichen Tourismusdirektor Markus Tschoner wäre das ohnehin nicht in den Sinn gekommen. Sie nahmen drei Wochen vor Vergabe der nordischen Ski-WM 2019 in Barcelona (5. Juni) lieber allerhand Mühen auf sich. Mit einer Weltreise zu den Stimmberechtigten des Weltskiverbands FIS wollte man sich gegenüber den Rivalen Oberstdorf (GER), Planica (SLO) und Almaty (KAZ) in Stellung bringen.

Selbst entlegene Orte wurden aufgesucht, 34.450 Flugkilometer an vier Tagen brauchte es dafür. Frießer: „Wir checkten nur einmal in ein Hotel ein, schließlich verbrachten wir die meiste Zeit im Flugzeug.“ Es bedurfte für diese PR-Offensive zunächst der Genehmigung des Internationalen Skiverbands FIS und dessen Präsident Gian Franco Kasper, den man zuhause am Thuner See besuchte – der gab sein Placet: „Ihr könnt das gerne machen.“ Der Startschuss für die Reise. Im Gepäck: ein Lederetui mit einem Kugelschreiber und einem Bleistift. Eine Aufmerksamkeit und gleichzeitig ein Symbol für die Bescheidenheit Seefelds. „Das schätzten die Leute besonders“, glaubt Bürgermeister Frießer.

Montag: München – Oslo – Helsinki (2097 km): Zunächst ging es zu FIS-Vizepräsident Sverre Seeberg nach Norwegen, anderntags zu Matti Sundberg. Dem gratulierte man zur nordischen Ski-WM 2017 in Lahti (FIN), Frießer erinnert sich an die Vergabe: von damals „Auch die Finnen waren Außenseiter.“

Dienstag/Mittwoch: Helsinki – Seoul (7057 km): Ein Kurzbesuch in Südkorea, das sich auf die Winterspiele 2018 freut. Vor dem Besuch beim ehrenwerten Sung-Won Lee nahmen Frießer/Tschoner ein Bad am Flughafen, schon ging es zum Abendessen in ein Fischrestaurant. Die Asien-Kenntnisse von Markus Tschoner halfen: Visitenkarten werden nicht mit einer, sondern mit beiden Händen überreicht ...

Mittwoch: Seoul – Sydney – Melbourne (9041 km): Die Stimme des jungen Australiers Dean Gosper könnte bei der Vergabe in Barcelona wichtig sein, am fünften Kontinent steht Freestyle höher im Kurs als Langlaufen.

Mittwoch/Donnerstag/Freitag: Melbourne – Abu Dhabi – München (16.255 km): Bevor die Seefelder Delegation am Freitag dem Flieger in München entstieg, standen zwei Langzeitflüge an. Das Fazit von Bürgermeister Werner Frießer: „Eine wichtige Reise, auch wenn sich der Flug zum Vertreter Kanadas nicht mehr ausgegangen ist ...“

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