Gesundheit

Völlig aus dem Gleichgewicht

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Mehr Bewegung ist das Ziel der Uniqa-TT-Aktion „Entdecke deinen Sport“. Immer mehr Kinder tun sich damit jedoch schwer: Sie wiegen zu viel, es fehlt an Kraft und Koordination.

Von Elke Ruß

Innsbruck –Bereits jedes vierte bis fünfte Kind ist zu dick – und Tirol keine Insel der Schlacksigen: Laut Vorsorge- und Sportmediziner Christian Pegger (Innsbruck und Mötz) haben „die wenigsten Jugendlichen noch normale Blutfettwerte“. Die Ernährung sei zu kohlenhydrathaltig, Zuckersäfte lauern an jedem Kiosk. „Wir züchten uns den Diabetes Typ2. Übergewicht, Allergien, Koordinations- und Rumpfschwäche werden mehr“, mahnt er. „Viele können gar nicht mehr auf einem Baumstamm balancieren.“

Gesundes Essen und Bewegung müssten die Eltern vorleben, doch auch die Schule sei hier wichtig. Pegger würde sich wünschen, dass Schulen „gegen einen Selbstbehalt“ ein Angebot an Vollkornbroten, Joghurts, Gemüsesticks und Obst bereitstellen.

Neben einer Umstellung der Ernährung rät er fünfmal die Woche mindestens 35 Minuten Bewegung an. Pegger denkt nicht nur an Rad und Roller für den Schulweg, sondern regt Balanceplatten für die Pause an. Der rare Sportunterricht solle differenzieren: „Ein Übergewichtiger spielt nicht gerne Völkerball, da wird er immer abgeschossen.“ Demotiviert, fehlen diese Kinder oft beim Turnen.

Deshalb sollten sie mit Walking und leichten Ballspielen beginnen, während die andere Gruppe voll gefordert werde. „Außerdem sollte für jedes Kind gegen einen kleinen Selbstbehalt eine jährliche sportmedizinische Untersuchung möglich sein. Nicht nur für jene im Sportverein.“

Psycho-Neuro-Immunologin Eva Petermann-Schnitzer spricht sogar von 800.000 fettleibigen Kindern in Österreich (mit 14 einen Body-Mass-Index ab 27, normal wäre z. B. für Mädchen ein BMI von 16,7 bis 24). Die Ernährungsspezialistin relativiert aber die viel zitierten Ernährungssünden „zu fett, zu salzig, zu süß“: „Die meisten nehmen sogar zu wenig Fett zu sich – vom guten.“ Das Hirn bestehe zur Hälfte aus Fett und Kinder wachsen und müssen lernen. „Nicht sparen“ sollte man an Omega-9-Fettsäuren (Olivenöl) und Omega3 (Fisch, Nüsse). Fertiggerichte und Fastfood dagegen enthielten ungesunde Fette und sogar Transfette.

Selbst wer aufs Fett schaut, tappt oft in die Zuckerfalle: Nicht nur Säfte, auch viele Fertiggerichte, Brote, Ketchup etc. sind zuckerreich. „Das Fatale: Es kommt zu Blutzuckerschwankungen, die Kinder können sich nicht mehr konzentrieren.“ Bereits 15 von 1000 Kindern in Europa würden an „Altersdiabetes“ erkranken. Dennoch rät die Expertin von Zuckerersatz ab: „Manche der Stoffe führen bei Kindern zu Konzentrationsstörungen und sind außerhalb Österreichs schon verboten. Lieber ein bisschen Zucker – aber bewusst.“

Zum Frühstücken solle man laut Petermann-Schnitzer ein Kind nicht zwingen: „Der natürliche Stoffwechsel stellt erst zwei Stunden nach dem Aufstehen auf Nahrungsaufnahme um.“ Daher sei es oft besser, „ein gutes Frühstück mitzugeben: vollwertiges Brot, Eiweiß für das Wachstum, also Putenschinken oder Käse, etwas Grünes und gerne eine Hand voll Nüsse.“

Diäten seien für Kinder eine Strafe, eine Ernährungsumstellung müsse die ganze Familie mittragen. „Auch Totalverbote bringen in der Pubertät nichts. Wichtig ist, dass man viel von den guten Dingen zur Verfügung hat und den Kindern die Wahl lässt, so können sie mitentscheiden.“

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