EU-Wahl

Eugen Freund: Ins EU-Parlament gestolpert

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Trotz eines schwachen Politstarts für die SPÖ konnte das Ergebnis von 2009 dennoch gehalten werden.

Wien – Eugen Freund (63) hat der SPÖ bei der Europawahl gemäß bisher vorliegenden Ergebnissen ein passables Ergebnis beschert. Der als Politiker Spätberufene wurde damit zwar nicht das erhoffte Zugpferd für die Sozialdemokraten, angesichts diverser Pannen zu Beginn seiner Kampagne ist das Halten des Ergebnisses von 2009 aber immerhin keine Katastrophe.

Zur Person:

Eugen Freund, verheiratet und Vater einer Tochter und eines Sohns, wurde am 15. April 1951 in Wien geboren, wuchs aber in Kärnten als Sohn eines Arztes und einer Galeristin auf. Ab 1972 Journalist, u.a. für „profil“ und ORF-Hörfunk-Innenpolitik, ab 1978 Pressesekretär im Außenministerium für Ressortchef Willibald Pahr, später fünf Jahre Tätigkeit beim Österreichischen Presse- und Informationsdienst in New York. Ab 1986 Rückkehr in den ORF, unter anderem als ORF-Korrespondent in Washington, ab Mai 2011 Moderator der „ZiB 1“ - Autor diverser Sachbücher sowie des Krimis „Der Tod des Landeshauptmanns

Freund wird eine ausgeprägte Eitelkeit nachgesagt, auch gilt er als Arbeitstier und Außenpolitik-Fan. Insofern war es dann auch nicht so überraschend, dass er umgehend Ja sagte, als Kanzler Werner Faymann den gerade erst vom ORF pensionierten Journalisten bat, für die SPÖ in die Wahlkampagne zu ziehen. Dies gilt umso mehr, als Freund ja schon in den 1970er-Jahren in die Politik hineingeschnuppert hatte, nämlich als Pressesprecher des zwar parteifreien, aber von der SPÖ nominierten Außenministers Willibald Pahr.

Von Bruno Kreisky geprägt

Freund, verheiratet und zweifacher Vater, wurde in Wien geboren, verbrachte seine Jugend aber in Kärnten, wo sein Vater eine Arztpraxis betrieb und seiner Mutter einer Galerie vorstand, die als Intellektuellen-Treff galt. In jungen Jahren befasste sich Freund, der mehrere Studien anfing, aber nicht abschloss, stark mit dem Kärntner Ortstafel-Konflikt. Geprägt war seine politische Sozialisierung von Bruno Kreisky, den er auch in der aktuellen Wahlkampagne leidenschaftlich zitierte.

USA-Korrespondent

Schon früh schnupperte Freund in den Journalismus, schrieb unter anderem für „Kärntner Tageszeitung“ und „profil“, ehe er im ORF eine neue berufliche Liebe fand. Freund hatte im öffentlich-rechtlichen Rundfunk diverse Betätigungsfelder, von der Moderation bis zur Beitragsgestaltung. Am bekanntesten wurde er vermutlich als USA-Korrespondent. Zu später Genugtuung kam Freund, der sich stets gegen offerierte „Golden Handshakes“ gewehrt hatte, als ihm in seinen letzten ORF-Jahren die prestigeträchtige Moderation der „ZiB 1“ überantwortet wurde. Nebenbei verfasste er diverse Sachbücher und auch einen fiktiven Roman über den Tod Jörg Haiders.

Peinliche Polit-Pannen

Erfahrungen mit Medien und Politik hätte Freund damit eigentlich genug gehabt, so dass ihm ein weniger peinlicher Einstieg in die neue Rolle zuzutrauen gewesen wäre. Doch Freund tappte in ersten Interviews gleich in jede noch so offensichtliche Falle, verschätzte sich beim durchschnittlichen Arbeitergehalt gleich um rund 1.000 Euro, beklagte, dass nur in den USA Starmoderatoren auf Bussen abgebildet werden und bedauerte all jene, die mit noch weniger auskommen müssten als er in der Pension.

Der Start war verpatzt, die SPÖ-Basis in der Folge nicht allzu erpicht, für den Quereinsteiger zu laufen, umso mehr, als sich dieser auch noch weigerte, der Partei beizutreten. Doch Freund erwies sich als lernfähig. Die Politiker-Slogans waren schnell eingelernt. In den TV-Konfrontationen profitierte er von seiner Fernseh-Erfahrung, weitere Fettnapf-Sprünge des begeisterten Heimwerkers blieben aus.

Umso mehr versuchte die politische Konkurrenz, auf Umwegen Freunds Reputation zu gefährden. Lanciert wurden wenig glaubwürdige Spionage-Vorwürfe, hervorgekramt alte Zeitungsartikel, in denen Freund das US-Klopapier dem österreichischen vorzieht und schließlich wurde noch einmal in Erinnerung gerufen, dass er als ORF-Korrespondent eine teure Zahnrechnung vom Dienstgeber bezahlt haben wollte.

Der Einfluss all dessen auf den Wahlausgang dürfte kein großer gewesen sein. Mit dem nunmehrigen Abschneiden wird man in der Sozialdemokratie gerade noch leben können und Freund dürften fünf unaufgeregte Jahre in Brüssel und Straßburg bevorstehen. Denn auf die Delegationsleitung hat er schon im Zuge seiner Bestellung zum Spitzenkandidaten verzichtet. (APA)

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