Tierisch gut in vielen Wohnbereichen
Nach der kühlen, reduzierten Welle in Weiß, Grau und Beige bricht jetzt eine tierische Welle los, der sich auch renommierte Porzellanhersteller und Interieurkünstler nicht verweigern wollen.
Von Ursula Philadelphy
Innsbruck –Im Sommer flanieren wir an Urlaubsstränden, genießen die Meeresküche unserer südlichen Nachbarn – und was liegt da näher, als auch beim Interieurdesign auf die vielen wunderbaren Assoziationen zu diesen Erlebnissen zurückzugreifen.
Wie herrlich kann man den Tag in einem Liegestuhl von Daycollection verbringen, auf dessen Stoffbezug bunte Papageien ein gewisses exotisches Feeling erwecken. Zierkissen mit zart gemalten oder auch gestickten Vögeln je nach Geschmack finden sich bei zahllosen Kollektionen. Christian Lacroix lässt Schmetterlinge über eine Salatschüssel tanzen – und steht damit heuer in Frankreich nicht alleine da. Die französische Interieurdesignerin und Künstlerin Joy de Rohan Chabot hat die Natur ja schon länger in ihrem Repertoire und begeistert mit ihren Accessoires und Kunstausstellungen regelmäßig auch elitäres Publikum. Im Augenblick ist ihren jüngsten Arbeiten eine Ausstellung im Château d’Haroué bei Nancy gewidmet. Es geht dabei, wie bei Lacroix, um Schmetterlinge – eine Erinnerung an die Kindheitssommer der Künstlerin.
Keramikschalen mit Krabben verziert, wie sie Lambert schon letzte Saison hatte, sind nach wie vor ein dekorativer Renner und eignen sich ganz wunderbar für vielerlei eines sommerlichen Buffets. Ein Teller mit Meeresgetier – wenn schon nicht real zum Essen, dann doch wenigstens auf feinem Porzellan. Bei Hering Porzellan aus Berlin findet man diesen Sommer – ganz neu – die Serie „Océan“ mit schönen Interpretationen der verschiedensten Meeresbewohner. Es sind maritime Akzente – Kobaltblau in multiplen Schattierungen auf weißem Grund und wie gehabt auf hauchdünnem Biskuitporzellan –, da wird das Essen zum überirdischen Genuss. Stefanie Hering hat sich bereits mit „Piqueur“ der Fauna gewidmet und Jagdmotive sehr zeitgenössisch und fast schwebend leicht auf dem Porzellan verewigt. Die einzelnen Teile sind vielseitig verwendbar und auch mit anderen Elementen von Hering zu kombinieren. Bei „Océan“ hat sie die Berliner Illustratorin Eleonore Gerhaker damit betraut, 30 Einzelteile wie Teller, Schalen, Schüsseln, Servierplatten, Tassen, eine Suppenterrine und einige Deko-Accessoires mit Langusten, Seeigeln, Muscheln, Heringen oder ganzen Fischschwärmen zu dekorieren. Nachdem man sich dem 21. Jahrhundert verpflichtet fühlt, ist das Geschirr übrigens nicht nur wunderbarer Luxus, sondern auch noch wirklich alltagstauglich, da spülmaschinenfest und mikrowellengeeignet!
Aber auch bei der österreichischen Porzellanmanufaktur Augarten setzt man in dieser Saison auf Animalisches. Allerdings ist man in Wien etwas traditioneller als in Berlin. Kein Wunder, ist Augarten doch – 1718 gegründet – die zweitälteste Porzellanmanufaktur Europas.
Das jüngste Teeservice „Kaiserboa und Königspython“ ist außerdem definitiv nichts für Menschen, die unter einer Schlangenphobie leiden. Schön ist es trotzdem.
Zwei Künstlerinnen aus zwei Generationen wurden dafür zusammengespannt: Die Form stammt von Ena Rottenberg (1893–1952), die die Designerin der Wiener Werkstätten in den 1930er-Jahren für Augarten entwarf. Die deutsche Fotografin und Malerin Gabriele Rothemann, die seit 2001 eine Professur für Fotografie an der Universität für Angewandte Kunst in Wien hat, ist für das Design verantwortlich. 2012 fotografierte sie Schlangen in einem eigens entwickelten Gefäß, machte daraus „Schlangenmosaike“ und präsentierte sie in einer Ausstellung, in der es, so Sebastian Schütze, Professor der Kunstgeschichte an der Uni Wien, „um die rituelle Inszenierung des ewigen Widerstreits von Kunst und Natur ... von Figuration und Abstraktion“ geht. Der nächste Schritt war für Rothemann allerdings die Reduktion. Die Schlangen sollten sich nämlich über eine Zuckerdose schlängeln, quasi unkontrollierbar an einem Tellerrand verschwinden, geheimnisvoll und rätselhaft bleiben. Die klaren, weichen Linien der Form von Ena Rottenberg sind ideal für dieses Ansinnen, das Teeservice kommt sehr mondän und extravagant rüber – ein extravaganter Blickfang für exotische Teestunden. Einem internationalen Publikum wird das Service erstmals in einer Woche in New York vorgestellt.