Alte Schule, neue Lehre
Schon mehrfach modellgepflegt, kann die Oberklasse-Limousine S80 von Volvo mit komfortablen Fahreigenschaften überzeugen. Modern sind Innenraum und der Turbodiesel.
Von Markus Höscheler
Schnann –Herumgebastelt, auf skandinavisch hohem Niveau, hat Volvo am S80 einige Male. Die seit 2006 erhältliche Limousine erfuhr äußere Korrekturen, die Bestückung mit neuen Fahrerassistenzsystemen, die Ausstattung mit neuer Multimediatechnik und die laufende Optimierung des Motorenangebots. Eine der Neuerungen findet sich unterhalb der Motorhaube – in Gestalt des D4-Turbodiesels. Gegenüber dem Vorgänger-Aggregat muss er mit einem Zylinder weniger und einem geringeren Schallpegel auskommen. Hinsichtlich Leistung, Verbrauch und Laufkultur gilt der Wechsel als gelungen, obgleich wir den Fünfzylinder in guter Erinnerung haben.
Noch besser aber prägt sich der neue Selbstzünder ein. Davon sind wir nach der letzten Testfahrt mit dem S80 überzeugt, die uns nach mehreren hundert Kilometern einen Verbrauch von 6,8 Litern je 100 Kilometer bescherte. Damit können wir gut leben, auch wenn der Normverbrauch von 4,5 Litern je 100 Kilometer zu optimistisch ausfällt. Ein gezügelteres Temperament hinter dem Volant vorausgesetzt, scheinen uns 6,0 Liter erreichbar – akzeptabel für einen 4,86 Meter langen Wagen mit 1,7 Tonnen Eigengewicht.
Allerdings muss dieses Temperament erst gefunden werden, das sich nicht verleiten lässt, die 181 Pferdestärken auszuloten und die 400 Newtonmeter maximales Drehmoment zu spüren, die ab 1750 Umdrehungen/Minute anliegen. In Verbindung mit der gehobenen Laufkultur dürfen wir fast von einer Sportlimousine sprechen, zumal der S80 nach 8,4 Sekunden vom Stand weg das bei uns tolerierte Landstraßentempolimit erreicht hat. Schaltarbeit ist nicht notwendig, die übernimmt die Achtstufenautomatik, die sich auf Wunsch manuell beeinflussen lässt. Nicht ganz so viel Freude empfanden wir über die Lenkung, die zwar leichtgängig arbeitet, aber bei der Präzision mit unserer Erwartung nichts anzufangen wusste.
Einen größeren Stellenwert nahm dagegen die Navigation inklusive Infotainmentsystem ein. Zwar sind die vielen Tasten auf der Mittelkonsole intuitiv nicht leicht zu erschließen, das Display löst aber sauber und hoch auf, die Spracheingabe funktioniert hervorragend und das Bluetooth-Audiostreaming punktet mit störungsfreier Wiedergabe.
Weitere elektronische Pluspunkte sammelt der S80 mit dem Abstandsregeltempomat und mit dem Totwinkelwarner BLIS – selbst wenn dieser ambitionierter zu Werke geht als erforderlich, da er manchmal auch vor Objekten warnt, die gar keine Gefahr darstellen.
Zu guter Letzt dürfen wir noch anmerken, dass das Fahrwerk seine Langstreckentauglichkeit beweist und der Kofferraum mit 480 Litern Ladevolumen genügend Reiseutensilien fasst – obschon es Fahrzeuge in diesem Segment gibt, die ein etwas größeres Gepäckabteil bieten. Doch die verfügen keineswegs über die Ausstrahlung, die ein S80 in 2006er-Hülle mit 2014er-Technik garantiert.