WM-Tagebuch - Teil 23

240 Minuten Spaß am Fußball im Schweizer-Haus in Rio

Am gestrigen Dienstag hieß es wieder zittern bis in die Verlängerung. Argentinien gegen Schweiz hieß die erste Partie. Abseits von der von A...

Am gestrigen Dienstag hieß es wieder zittern bis in die Verlängerung. Argentinien gegen Schweiz hieß die erste Partie. Abseits von der von Argentiniern überfüllten Fanzone suchte ich mir einen Platz, an dem ich mit unseren Nachbarn das Spiel schauen konnte. In Lagoa, nicht weit weg von der Copacabana in einem der schönsten Viertel von Rio de Janeiro, haben sich Schweizer eine Strandbar am See für die WM angemietet und ein Schweizer-Haus daraus gemacht. An der rot-weiß dekorierten Strandbar können die Fans der Eidgenossen auf überdimensionalen Rodeln Platz nehmen und die Spiele auf einer großen Leinwand verfolgen. Zudem werden sie mit Schweizer Köstlichkeiten verwöhnt. Abseits des Fußballs begeistern die Schweizer Kuhglocken neben alten Holzskiern und zwei riesigen Berner Sennenhunden die brasilianischen Zuseher.

Aber jetzt zum Spiel: Natürlich feuerten dort alle die Schweizer an, aber wirklich überzeugt, dass sie den Aufstieg ins Viertelfinale schaffen könnten, waren zunächst nur die Wenigsten. Die stark spielende Schweizer „Nati“ überraschte die meisten Zuseher und umso länger die Partie andauerte, umso mehr steigerten sich die Emotionen der Fans rund um das Schweizer-Haus. Lautstark wurden die Schweizer unterstützt, die Kuhglocken wie wir es auch von den Skirennen kennen, trugen ihren Teil dazu bei. Lange sah es danach aus, als ob die Schweiz die Sensation schaffen könnte und Messi nach Hause schicken würde.

In der 118. Minute kam der Todesstoß der Argentinier. Bis zum Ende der Partie wirkten die vielen Schweizer Fans sehr enttäuscht. Nach Abpfiff wurde die Leistung der Schweizer dennoch honoriert, und man bejubelte die Spieler in rot. Vorne weg der weinende Zauberzwerg Shaqiri. Es war somit die wohl letzte echte Schweizer Fußballparty in Rio.

Weiter ging es am Abend mit Belgien gegen USA. Rio scheint voll mit Amerikanern zu sein. Und in den USA gibt es wohl kaum mehr Fanartikel zu kaufen. Der Durchschnitts-Amerikaner geht daher in der Bermuda im Fahnendesign mit einem Bandana in rot-weiß und der Amerika-Flagge um den Hals zum Public Viewing. Die stolzen amerikanischen Schlachtenbummler zeigten sich bereit für den Fight gegen die favorisierten Belgier. Wieder sahen die Zuseher in der Fanzone eine Partie wie auf Messers Schneide. Und so setzten sich auch die Belgier erst in der Verlängerung durch. Enttäuscht, jedoch immer noch feierfreudig, zogen die amerikanischen Anhänger nach den Spiel weiter und füllten die Bars der Copacabana. Auch mit traurigen Momenten für so manchen Fan bleibt die WM in Rio ein riesiges Fest, an dem man sich nur erfreuen kann.