Auf einem alten Sessellift in die Vergangenheit schweben

Die Bergbahnen Rosshütte in Seefeld blicken zum 60-jährigen Bestehen mit der Ausstellung „Drahtseilakt“ auf ihre bewegte Geschichte zurück.

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Ein Sessellift aus längst vergangenen Zeiten im Seefelder Bergbahnen-Museum.
© Denise Daum

Von Denise Daum

Seefeld –Ein „Drahtseilakt“ war die Errichtung der Bergbahnen Seefeld-Rosshütte vor 60 Jahren. In politisch und wirtschaftlich turbulenten Zeiten wurde in Seefeld eine Pionierleistung im Bergbahn-Bereich vollbracht. „Der Lift ist 1954 in Betrieb gegangen. Die Planungen erfolgten in der Nachkriegszeit, als Österreich in schwer überwindbare Besatzungszonen geteilt war. Dementsprechend mühsam war es, die Genehmigungen für dieses Projekt einzuholen“, weiß Günter Denoth, Leiter des Verkehrsarchivs Tirol.

Mit einer Jubiläumsausstellung zur 60-jährigen Geschichte der Bergbahnen soll diesem „Drahtseilakt“ Rechnung getragen werden. Die Ausstellung im alten Gepäcksmagazin am Seefelder Bahnhof erzählt daneben auch ein Stück weit die Geschichte des Tourismus. Bilderreiche Tafeln mit Begleittexten geben einen Überblick über die Meilensteine der vergangenen 60 Jahre. So erzählt eine Station beispielsweise vom „kreativen Chaos Ende der 60er Jahre, als überschwängliche Erschließungspläne aufkamen, die natürlich unrealistisch waren“, erzählt Denoth. Zeitgleich mit diversen Erschließungsüberlegungen kamen die ersten Schlepplifte. Im Jahre 1969 erfolgte der Trassenbau der Standseilbahn inklusive aller Brücken, die Eröffnung ging noch im selben Jahr über die Bühne. Die Standseilbahn, so wie sie sich heute präsentiert, besteht seit 1985, als der Wagentausch erfolgte. Mitte der 80er Jahre lag ein konkretes Projekt zur skitechnischen Erschließung des Härmelekopfs vor.

Lange bevor elektronische Skikarten zur Anwendung kamen, wartete die Bergbahn Rosshütte mit einem innovativen System auf: mittels Münzeinwurf vollautomatisch auf den Berg zu entschweben. „Damals schrieb die Presse von ,Geisterbahn’ und ,Roboterbetrieb’, heute ist die vollautomatische Seilbahn zur Selbstverständlichkeit geworden“, weiß Denoth.

Das Seilbahnmuseum will Denoth als Begegnungsraum verstanden wissen. Deshalb dürfen Besucher nicht nur schauen und lesen, sondern auch sämtliche Ausstellungsgegenstände anfassen und ausprobieren – wie den Sessellift der Anfangszeit.

Die Ausstellung ist noch bis 31. Oktober, jeweils von Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr, zu sehen.

Weit fortgeschritten präsentiert sich im September 1969 der Gleisbau der Standseilbahn.
© Archiv Bergbahnen Rosshütte
Die Anfänge der Rosshütte als überschaubare Almwirtschaft im Jahr 1926.
© Archiv Bergbahnen Rosshütte

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