Gesellschaft

„Kluge Töpfe“, geerdete Antworten

Vor 125 Jahren wurde der Vorläufer der heutigen Raiffeisenbank Sölden gegründet. Aus diesem Anlass wurde eine Sonderausstellung kreiert, die Problemlösungen durch Genossenschaften in den Fokus rückt.

Von Hubert Daum

Sölden –Es gab sie immer und es wird sie immer geben: die Probleme einer Gesellschaft. Die einen versuchen, sie durch Gesetze zu lösen, die anderen durch das Miteinander, dem Genossenschaftsgedanken. 125 Jahre sind inzwischen vergangen, als die Sölder Bürger ein Jahr nach dem Entstehen der ersten „Raiffeisen’schen Darlehenkasse“ in Oetz einen genossenschaftlichen Verein zur gegenseitigen solidarischen Unterstützung gründeten – ein Vorläufer der Raiffeisenbank Sölden. Diese feiert heuer ihr 125. Bestandsjubiläum und stellt in der Sonderausstellung „Kluge Töpfe – 25 geerdete Antworten auf Zukunftsfragen“ im „erbe-Kulturraum“ das Genossenschaftsprinzip in den Fokus.

„Genossenschaften und andere gemeinschaftliche Zusammenschlüsse sind Freiräume, in denen kreative Ideen entstehen und wachsen“, erläutert Ausstellungsmacher Niko Hofinger, der abermals gemeinsam mit Kuratorin Petra Paolazzi eine erlebenswerte Sonderausstellung kreierte. Diese zeigt mittels Blumentöpfen („Kluge Töpfe“), die der Symbolik dienen, 24 konkrete Projekte in verschiedenen Ländern, die eine Problematik durch den Zusammenschluss von Menschen durch Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Solidarität lösen konnten. „Heutige Problemstellungen sind lösbar wie vor 125 Jahren“, ist Hofinger überzeugt, „Genossenschaften sind transparent, geradlinig und nicht auf das schnelle Geld aus. Ausgenommen der 25. Topf, der ausdrücken sollte, dass es auch kriminelle Vereinigungen gibt.“

Als Ambiente wurde bewusst die Pflanzenwelt gewählt. Petra Paolazzi: „Eine Pflanze muss gegossen und gepflegt werden, sonst verdorrt sie.“ Der Längenfelder Benedikt Haid fungierte als Ausstellungsarchitekt und habe großartige Arbeit geleistet.

Die Vorzeigeprojekte, die durch Lesen und PC-Video im Detail erfahrbar sind, wurden in sechs Themenbereiche aufgeteilt. Das Thema Energie ist stark vertreten und widmet zum Beispiel einen Topf der Wasserkraft Sölden, die 1937 genossenschaftlich gegründet wurde. Bemerkenswert auch das Beispiel der Elektrizitätswerke Schönau aus Deutschland, die den Ursprung in einer Elterninitiative gegen Atomkraft 1986 hat und mittlerweile über 150.000 Kunden mit Ökostrom beliefert. 22 weitere, teils erstaunliche „geerdete Antworten“ warten darauf, von den Besuchern entdeckt zu werden. Die „Klugen Töpfe“ sind für klüger werdende Köpfe bis 30. September werktags (8 bis 12, 14.30 bis 17 Uhr) zu erforschen. Auf Anfrage können auch Gruppenführungen mit den Machern organisiert werden.