WM-Tagebuch, Teil 25

Rio de Janeiro: Weltoffen, verrückt und lebensfroh

Bevor der Brazuca wieder in den Stadien Brasiliens rollt will ich euch heute noch einen Einblick über das Leben in Rio de Janeiro verschaffe...

Bevor der Brazuca wieder in den Stadien Brasiliens rollt will ich euch heute noch einen Einblick über das Leben in Rio de Janeiro verschaffen. Wenn ich nun nach knapp sechs Monaten hier in Rio de Janeiro den klassischen Carioca beschreiben müsste, würde das so aussehen: „Ein Carioca ist ein weltoffener, sportlicher, verrückter, lebensfroher Mensch.“

Weltoffen:

Brasilianer können einem im ersten Moment etwas aufdringlich vorkommen, wenn man den Umgang mit ihnen nicht gewohnt ist. So ist es üblich, dass man im Bus mit seinem Sitznachbarn einfach mal anfängt zu tratschen. Auch wenn man alleine in ein Restaurant oder in eine Bar geht, dauert es nicht lange bis man in den aktuellen Klatsch eingeweiht wird. Und dabei erfährt man oft Dinge, die man selbst wohl nur den besten Freunden erzählen würde.

Sportlich:

Ich habe noch nie eine Stadt gesehen, in der die Dichte an Fitnessstudios so hoch ist, wie in Rio de Janeiro. Und sie scheinen auch immer voll zu sein. Was umso verwunderlicher scheint, wenn man all den Sportlern auf der Straße begegnet. Jeden Tag ab 5 Uhr früh bauen die Fitnesstrainer an den Stränden Rios Hindernisläufe auf. Bis 10 Uhr strampeln sich dort Jung und Alt ab, bevor es dann zur Arbeit geht. In der ganzen Stadt verteilt gibt es weitere kleine Fitnessparks, die kostenfrei von der Stadt bereitgestellt werden. Pensionisten halten sich fit auf den Walking Geräten während die Jugendlichen an den Klimmzugstangen für den perfekten Beachkörper trainieren.

Wassersportarten sind natürlich auch voll im Trend - bei jeden Wetter. Egal ob das klassische Wellenreiten oder auch die neueren Sportarten wie Stand-Up Paddling oder Bodyboarden. Die Sportler, die sich in die kräftigen Wellen in Rio werfen, wissen die Zuseher an den Strandpromenaden zu beeindrucken.

Während die Touristen meist nur ungläubig den sportlichen Cariocas zusehen, spielen diese an den vielen Netzen entlang der Strände Volleyball (die zweitbeliebteste Sportart in Brasilien), Futevolei oder Strandtennis.

Jeden Sonntag werden die Straßen entlang der Strände gesperrt und bieten Raum für die vielen Läufer und auch die Skater auf ihren Longboards. Die Straßen sind voll mit Sportlern, die ihren freien Sonntag ausnützen wollen.

Unumstritten die Sportart Nummer eins bleibt jedoch der Fußball. Zur jeder Tageszeit kicken die Hobby- und Amateurkicker an den vielen Sportplätzen in der Stadt. Egal ob in den „Fußballkäfigen“ in den Favelas oder an einem der insgesamt acht Kunstrasen-Plätzen in „Aterro Flamengo“, den Park am Strand von Flamengo. Es macht Spaß mitzuspielen oder auch nur zuzuschauen. Die ballverliebten Brasilianer leben den Fußball etwas anders. So zählt für sie eine „Gurke“ wohl gleichviel wie ein Tor.

Verrückt und lebensfroh:

Rio und der Karneval gehören zusammen wie sprichwörtlich Pech und Schwefel. Sie feiern den Karneval das ganze Jahr über. Die Party von Ende Februar bis Anfang März ist hierbei nur der Höhepunkt einer einjährigen Vorbereitungszeit. Sambapartys gibt es fast täglich in der Stadt. Dabei feiern sich die Cariocas bei heißen Trommelrhythmen. Sie kennen alle den Text zu den Liedern und singen auch selbstbewusst und lautstark mit, auch wenn es bei einigen besser wäre, wenn sie sich nur auf das Tanzen konzentrieren würden. Zu einer guten Party gehört natürlich auch immer ein kaltes Glas Bier oder ein Caipirinha.

Man muss sich als Europäer sicherlich erst an den Lebensstil hier in Rio gewöhnen. Die Cariocas sind in ganz Brasilien dafür bekannt, dass sie das Berufliche nicht ganz so ernst nehmen. Termine werden nur selten eingehalten und auf die Verlässlichkeit darf man hier nicht zählen, dafür gibt es einfach zu viele Gelegenheiten in Rio de Janeiro um das Leben zu feiern und die besonderen Momente in der Cidade Maravilhosa einfach zu genießen.