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Irak - Protestanführer Sheikh Hamdun: Iraks Sunniten wollen Autonomie

Bagdad (APA/dpa) - Jahrelang haben sich Sunniten im Irak von der schiitisch dominierten Regierung in Bagdad diskriminiert gefühlt. Zunächst ...

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Bagdad (APA/dpa) - Jahrelang haben sich Sunniten im Irak von der schiitisch dominierten Regierung in Bagdad diskriminiert gefühlt. Zunächst organisierten sie Großdemonstrationen, die blutig niedergeschlagen wurden. Inzwischen kämpfen viele an der Seite der radikal-sunnitischen, extremistischen Gruppierung „Islamischer Staat im Irak und in der Levante“ (ISIS/ISIL).

Sunnitische Stämme und ISIS, die sich seit einigen Tagen „Islamischer Staat“ (IS) nennt, kämpfen im Irak gegen die Truppen von Ministerpräsident Nuri al-Maliki. Sheikh Mohammed Taha al-Hamdun ist Sprecher der sunnitischen Protestbewegung im Irak, die Ende 2012 begann, Massendemonstrationen gegen die von Schiiten dominierte Regierung zu organisieren. Wegen seiner Aktivität wurde der Sheikh zeitweise inhaftiert. Aus Furcht vor einem Attentat floh er später mit anderen Sunnitenführern in die Autonomieregion Kurdistan. Die Nachrichtenagentur dpa sprach mit ihm in Erbil über den Irakkonflikt.

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Zum Bündnis der Sunniten mit der ISIS hat laut ihm die verfehlte Regierungspolitik Malikis geführt. „Dieser Konflikt ist das Resultat von Al-Malikis Vorgehen gegen die Sunniten im Irak. Er schloss uns aus der Politik aus. Er ließ Demonstranten verhaften, foltern und töten. Die sunnitischen Stämme mussten sich wehren. Diese revolutionäre Lage machten sich auch terroristische Organisationen wie Islamischer Staat im Irak und in der Levante zunutze. Es gibt massive Konflikte zwischen ihnen und den Stämmen. Dabei gab es auch schon Tote. Aber wir haben diese Auseinandersetzungen vertagt, denn unser größter Feind heißt Al-Maliki. Wenn der gefallen ist, gibt es keinen Platz für die Gruppe Islamischer Staat im Irak und in der Levante mehr im Irak“, erklärte er im Gespräch mit der dpa. Auf die Frage, ob sich Hamdun bzw. die Sunniten nicht davor fürchteten letzten Endes von ISIS aus ihren Gebieten vertrieben zu werden, sagte der Sheikh: „Wir sind nicht stark genug, um an zwei Fronten zu kämpfen.“

In den Augen Hamduns gebe es eine Lösung im aktuellen Konflikt, nämlich „drei Autonomieregierungen unter einer Flagge - eine der Kurden, eine der Schiiten und eine der Sunniten“, erklärte er. „Bagdad gehört als Hauptstadt allen. Wir wollen die Sunnitengebiete selbst militärisch und wirtschaftlich kontrollieren. Solange die Schiiten in Bagdad uns diese Garantie nicht geben, werden wir uns auch im Parlament an keiner Abstimmung über eine neue Regierung beteiligen. Und sollte Al-Maliki auch weiterhin nicht nachgeben, wird es eben drei Staaten geben.“


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