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Gewalt in Nahost eskaliert weiter - Abbas spricht von „Völkermord“

Washington/Berlin (APA/AFP) - Die Gewalt in Nahost ist am Mittwoch weiter eskaliert. Bei israelischen Luftangriffen auf den Gazastreifen wur...

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Washington/Berlin (APA/AFP) - Die Gewalt in Nahost ist am Mittwoch weiter eskaliert. Bei israelischen Luftangriffen auf den Gazastreifen wurden mindestens 30 Palästinenser getötet, darunter 15 Frauen und Kinder. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas warf Israel „Völkermord“ vor. Palästinensische Raketen schlugen seit Dienstagabend in Jerusalem und nördlicheren Zielen sowie nahe der Atomanlage Dimona ein.

Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu kündigte die Ausweitung des Militäreinsatzes an. Seine Regierung habe entschieden, „die Angriffe gegen die Hamas und die Terrorgruppen im Gazastreifen zu verstärken“, erklärte Netanyahu nach einem Treffen mit Militärvertretern. „Die Armee ist auf jede Möglichkeit vorbereitet.“ Die radikalislamische Hamas werde „einen hohen Preis dafür zahlen, dass sie Raketen auf israelische Zivilisten abfeuert.“

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Seit Beginn der Operation „Schutzrand“ am Dienstag haben israelische Kampfflugzeuge mehr als 550 Ziele im Gazastreifen beschossen und dabei mindestens 50 Palästinenser getötet, unter ihnen zahlreiche Zivilisten. Nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte bombardierte die Luftwaffe in der Nacht zum Mittwoch auch das Haus eines Kommandanten der Al-Kuds-Brigaden, des bewaffneten Flügels des Islamischen Jihad, in Beit Hanun nördlich von Gaza-Stadt. Der Kommandant sowie fünf Familienmitglieder wurden dabei getötet.

Bei einem Angriff auf ein Haus in Al-Maghasi, einem am Meer gelegenen Flüchtlingslager in der Nähe von Deir al-Balah, wurden laut palästinensischen Rettungsdiensten fünf weitere Palästinenser getötet.

Vom Gazastreifen aus abgefeuerte Raketen schlugen am Dienstagabend im Großraum Jerusalem ein. Am Mittwochmorgen fing das Militär mindestens fünf auf Tel Aviv anfliegende Raketen ab. Später gingen Raketentrümmer im Meer vor der Küste von Haifa nieder, fast 160 Kilometer nördlich des Gazastreifens.

Der bewaffnete Arm der Hamas, die Essedin-al-Kassam-Brigaden, erklärte am Abend, er habe drei Raketen vom Typ M75 auf die israelische Atomanlage Dimona in der Negev-Wüste abgefeuert. Zwei Raketen seinen in offenem Gebiet niedergegangen, eine weitere vom israelischen Abwehrsystem „Eiserne Kuppel“ abgefangen worden, bestätigte das Militär.

Israelische Opfer gab es nicht. Die Menschen in mehreren israelischen Städten suchten Schutzräume auf. Im Gazastreifen gibt es hingegen kaum oder gar keine öffentlichen Bunker.

Israels Umweltminister Gilad Erdan, ein Mitglied des Sicherheitskabinetts, sagte, die Armee stehe für eine Bodenoffensive bereit. 40.000 Reservisten seien mobilisiert worden. Israelische Panzer bezogen im Süden des Landes an der Grenze zum Gazastreifen Stellung. Vize-Verteidigungsminister Danny Danon verlangte, die Versorgung der Bevölkerung im Gazastreifen mit Strom und Treibstoff zu beenden.

Der palästinensische Präsident Abbas warf Israel „Völkermord“ vor. „Die Ermordung ganzer Familien ist ein Völkermord, den Israel an unserem palästinensischen Volk verübt“, sagte er nach einem Krisentreffen der palästinensischen Führung in Ramallah.

Das Nachbarland Jordanien forderte den sofortigen Stopp der „barbarischen Aggression“ Israels. Ägypten forderte beide Seiten zum Ende der Gewalt auf. Ein Sprecher des Außenministeriums dämpfte zugleich die Hoffnung auf eine Vermittlungsmission Kairos. „Im eigentlichen Sinne des Wortes findet keine Vermittlung statt.“

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte in einem Telefonat mit Netanyahu, „den Raketenbeschuss auf Israel aufs Schärfste“, wie am Abend aus Regierungskreisen in Berlin verlautete. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte ein umgehendes Ende des Raketenbeschusses Israels aus dem Gazastreifen. Er sagte der „Bild“-Zeitung (Donnerstagsausgabe): „Der mörderische Raketenbeschuss der Hamas auf israelische Städte muss sofort gestoppt werden.“ Der Nahe Osten benötige jetzt eine „Koalition der Vernunft“.

Der französische Präsident Francois Hollande sicherte Netanyahu in einem Telefongespräch die „Solidarität Frankreichs“ zu. Es liege an der israelischen Regierung, „angesichts der Bedrohungen alle Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu ergreifen“. Die USA und die EU forderten beide Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf. Die UN-Botschafter der arabischen Länder forderten eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats.


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