Entgeltliche Einschaltung

Der Regent im Schatten

Ein zurückhaltender Gustav Kuhn gewinnt Anton Bruckners 7. Symphonie neue, sprichwörtlich unerhörte Seiten ab.

  • Artikel
  • Diskussion

Von Joachim Leitner

Erl –Auch im Jahr nach seinem 200. Geburtstag scheint Richard Wagner bei den Tiroler Festspielen Erl präsenter denn je. Was nicht zuletzt am monumentalen 24-Stunden-Ring liegt, der am ersten August-Wochenende auf dem Programm steht. Dafür wurden nicht nur eigene T-Shirts angefertigt, nein, der Festspiel-Shop bietet neuerdings sogar dekorative Gläser mit dem „Ring“-Schriftzug an. Und der Vorverkauf für den „Ring“ 2015 hat auch bereits begonnen.

Entgeltliche Einschaltung

Doch im scheinbar übermächtigen Schatten Wagners ist Anton Bruckner der eigentliche Jahresregent im neuen Festspielhaus. Nach einem gehaltvollen Appetithappen am Eröffnungsabend mit den Chorwerken „Helgoland“ und „Te Deum“ gaben Gustav Kuhn und das Orchester der Tiroler Festspiele Erl am Sonntag mit Bruckners 7. Symphonie ganz offiziell den Startschuss für den dem Komponisten gewidmeten Matineen-Zyklus ab.

Und ganz zufällig war diese Auswahl wohl nicht, denn gerade dieses Werk des am 4. September 1824 – also vor gut 190 Jahren – im oberösterreichischen Ansfelden geborenen Bruckner ist eng mit Richard Wagner und seinem „Ring“ verbunden. Ja, der Einfluss Wagners auf die zwischen 1881 und 1883 entstandene „Tondichtung“ läuft bisweilen Gefahr, ins Mythische überhöht zu werden. Schließlich soll es die Nachricht vom Tode Wagners gewesen sein, die die finale Gestalt der Sinfonie – vor allem deren düster klagenden 2. Satz – entscheidend prägte. Und das nicht nur, weil Bruckner auf die im „Ring“ etablierten „Wagnertuben“ zurückgriff.

Ein zur Partitur verdichteter Wagner-Nachruf eines glühenden Verehrers ist die Siebte allerdings nicht. Und daran lässt auch Kuhns Interpretation keinen Zweifel. Er nähert sich dem „Bruckner-Kosmos“ ganz behutsam, gibt den beinahe lyrischen Passagen des Werks ausreichend Wirkraum.

50 x € 100,- Heizkostenzuschuss zu gewinnen

TT-ePaper 4 Wochen gratis ausprobieren, ohne automatische Verlängerung

Dadurch unterstreichen er und das um klangliche Klarheit bemühte Festspiel-Orchester, dass Bruckner nicht nur ein Meister sich triumphal erhebender Crescendi war, sondern auch ein Mystiker der ruhigen Töne: melodisch eingängig und von nachgerade atmosphärischer Suggestionskraft.

Dass es die kleinen Feinheiten der Komposition sind, die Kuhn besonders interessieren, zeigt sich schon allein an seiner Art des Dirigierens: Akzente und Farbtupfer setzt er beinahe zurückhaltend, ohne große Geste und wildes Gefuchtel. Auch das tut dieser wundersam leichten 7. Sinfonie gut. Auch weil Kuhns nicht negierbare Liebe fürs Detail, das, was angesichts des mitreißenden Ganzen gerne übersehen wird, einem kanonischen Werk neue, sprichwörtlich unerhörte Seiten abgewinnt.


Kommentieren


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung