WM 2014

Die „Copa das Copas“: Viel versprochen, viel gehalten

Die Stadien waren fertig, die Sicherheit gewährleistet und die Stimmung euphorisch. FIFA-Chef Blatter: „Alle haben sich geirrt!“

Rio de Janeiro – Brasilien hat gezeigt, dass es eine Fußball-WM auf höchstem Niveau ausrichten kann. Die Mission ist - bis auf den verpassten Titel - erfüllt. FIFA und Regierung sind voll des Lobes. Das verwundert nicht, denn ein Gutteil davon ist Eigenlob, und damit sparen beide Institutionen selten. Aber auch die Fans sind zufrieden, glänzte das Turnier doch durch guten Fußball und einen reibungslosen Ablauf.

Lob auch vom IOC

Die Stadien waren fertig, die Sicherheit für Millionen Fans gewährleistet und die Stimmung euphorisch und ansteckend. Russland muss sich 2018 anstrengen, wenn es das toppen will. Schon zur Halbzeit sprach FIFA-Boss Joseph Blatter von einem „unbestreitbar großen Erfolg“, und diese Woche schwärmte der Schweizer: „Ich durfte mich von einer faszinierenden Atmosphäre verzaubern lassen.“ In Europa ist kaum bekannt, wie intensiv die Leidenschaft „Futebol“ in Brasilien und Südamerika wirklich zelebriert wird. Zehntausende Fans aus Kolumbien, Chile und Argentinien zeigten der Welt, was es heißt, für sein Fußball-Land alles zu geben.

Lob für die Organisation kam auch vom Internationalen Olympischen Komitee, das nach dem Finale am Sonntag quasi den Staffelstab von der FIFA übernimmt für die Spiele in zwei Jahren in Rio. „Brasilien kann sehr stolz sein auf die Organisation der ‚Copa‘, und wir sind sicher, dass die Welt während der Olympischen Spiele 2016 sehen wird, wofür Brasilien steht: Leidenschaft und Effizienz zur gleichen Zeit“, sagte IOC-Präsident Thomas Bach am Freitag nach einem Treffen mit Präsidentin Dilma Rousseff.

Pfiffe bei Pokalübergabe?

Die Staatschefin wird am Sonntag erfahren, ob die Fans im Maracana-Stadion der gleichen Meinung sind. Denn sie wird mit Blatter dem WM-Sieger - Deutschland oder Argentinien - die Trophäe in die Hand drücken. Mit Spannung wird erwartet, ob die Fans die 66-Jährige mit Pfiffen abstrafen oder mit Applaus von der WM-Bühne verabschieden. Bisher waren es eher Pfiffe. Auch Rousseff hält die WM für mehr als gelungen und will deshalb auch nichts mehr von Miesmacherei und Unkenrufen wissen, schon gar nicht bei der laufenden Olympia-Vorbereitung. „Die Pessimisten haben sich geirrt“, so die Staatschefin im Rückblick.

Dagegen lässt sich wenig sagen, wenn man die Prämisse der WM-Gegner zugrunde legt, die monatelang gedroht hatten: „Nao Vai Ter Copa“ (Es wird keine WM geben). Es gab sie nicht nur, die WM, es wurde auch eine vierwöchige Dauerparty. Von Massenprotesten keine Spur, es waren während der gesamten WM wohl nur einige tausend, die sich versammelten, obwohl es an Gründen nicht fehlte. Denn seit den Demonstrationen von Hunderttausenden im Vorjahr hat sich wenig geändert an den beklagten Missständen in Krankenhäusern, Schulen und im öffentlichen Nahverkehr. Aber wenn der Ball rollt, dann gelten andere Gesetze, vor allem im Fußball-Land Brasilien.

Blatter fühlt sich bestätigt

Das forsche Motto der „Weltmeisterschaft aller Weltmeisterschaften“ wurde zunächst weltweit belächelt. Doch mit Blick auf die letzten vier Wochen waren die Zweifel unbegründet. Logistisch gab es praktisch keine Probleme. Ob an den als zu klein befundenen Flughäfen oder auch in den Arenen selbst, die WM lief weitgehend problemlos und stimmungsvoll. Auch FIFA-Chef Blatter sieht sich in seiner Mission bestätigt. „Alle haben sich geirrt. Ich sage nicht, dass es perfekt ist. Aber sie haben gesagt, dass die Stadien nicht fertig würden. Sie sind fertig und Brasilien hat heute Kunstwerke als Stadien.“ Ob Weiße Elefanten wie möglicherweise in Manaus oder Cuiaba auch Kunstwerke sein können, bleibt abzuwarten.

Als neuralgischer Punkt wurde vor der WM die prekäre Sicherheitslage in Brasilien angesehen. Doch da überließ der Staat nichts dem Zufall. 170.000 Polizisten und Soldaten waren im Dauereinsatz. 1,9 Milliarden Reais (rund 630 Mio. Euro) kostete die Mega-Operation. Die Stadienumgebungen glichen Hochsicherheitsgebieten, auch wenn die Hundertschaften der Policia Militar dezent in Seitenstraßen aufmarschierten. In den Stadien sorgten tausende Stewards für die Sicherheit. Es gab eine falsche Bombendrohung, verhältnismäßig kleine Scharmützel mit übermütigen Fans und jede Menge Überfälle, Diebstähle und einige Raufereien. Das aber sind traurige Begleiterscheinungen bei solchen Massenveranstaltungen, nicht nur in Brasilien.

Weitere Großereignisse in Brasilien möglich

Zwar hat die Selecao die nationale Mission des „Hexa“, des sechsten WM-Titels, mit dem 1:7-Halbfinaldebakel gegen Deutschland vergeigt, doch die Präsidentin ist sicher, dass Brasilien mit einem „höheren Selbstwertgefühl“ aus der WM geht. „Ohne Zweifel, von jetzt an hat das Sportministerium die Voraussetzungen, um internationale Wettbewerbe nach Brasilien zu holen. Auch weil kein anderer internationaler Wettbewerb so komplex wie die WM ist.“ Ob Rousseff bei der Präsidentschaftswahl am 5. Oktober von der erfolgreichen WM-Organisation profitieren kann, ist offen. Dann entscheiden die Wähler und nicht nur die Fußball-Fans. (APA/dpa)