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„Kindesmissbrauch ist wie Lepra“: Wirbel um angebliche Papst-Zitate

In einem Interview mit der Zeitung „La Repubblica“ vergleicht Franziskus Kindesmissbrauch mit einer ansteckenden Krankheit. Die Kirche habe viel zu lange dazu geschwiegen.

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Papst Franziskus.
© REUTERS/Max Rossi

Vatikanstadt - Ein Artikel des Gründers der italienischen Tageszeitung La Repubblica, Eugenio Scalfari, über ein Treffen zwischen ihm und dem Papst hat am Sonntag für einen Eklat gesorgt. Für Aufruhr sorgten die Papst-Zitate zum Thema Kindesmissbrauch und Zölibat, die Scalfari in seinem von La Repubblica gedruckten Beitrag veröffentlichte.

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Als „Lepra“ bezeichnete der Papst laut Scalfari die Plage des Kindesmissbrauchs, die auch die Kirche anstecke. Kindesmissbrauch sei eines der schrecklichsten Verbrechen, das man sich nur vorstellen könne, vor allem weil es oft innerhalb der Familie oder einer Gemeinschaft vorkomme. „Wir haben auch diese Lepra zu Hause. Mitarbeiter, die mit mir gegen Kindesmissbrauch kämpfen, versichern aufgrund zuverlässiger Daten, dass Pädophilie in der Kirche zwei Prozent betrifft. Diese Zahl sollte mich beruhigen, doch ich muss offen sagen, dass sie mich überhaupt nicht beruhigt. Ich halte das für äußerst gravierend. Zwei Prozent von Pädophilen, das sind Priester und sogar Bischöfe und Kardinäle“, sagte der Papst laut Scalfari.

Franziskus monierte, dass in der Kirche über Kindesmissbrauch zu oft geschwiegen werde. „Viele wissen, aber schweigen, bestrafen, ohne den Grund bekannt zu geben. Das finde ich, ist unerträglich, und es ist meine Absicht, all dies mit der notwendigen Strenge in Angriff zu nehmen“, wurde der Heilige Vater zitiert.

Lombardi: Kein Interview im Wortsinn

Der vatikanische Pressesprecher, Pater Federico Lombardi, dementierte kurz daraufhin Scalfaris Bericht. Der Papst habe nicht behauptet, dass es pädophile Kardinäle gebe, sagte Lombardi. Der Journalist habe nicht die genauen Worte des Papstes wiedergegeben. Der 90-jährige Ex-Chefredakteur der römischen Tageszeitung habe kein Interview mit dem Papst, sondern ein persönliches Gespräch geführt. Das Gespräch mit Franziskus sei „kein Interview im Wortsinn“ gewesen.

Papst Franziskus habe laut Scalfari versichert, dass er sich auch mit dem Problem der verheirateten Priester in der katholischen Kirche befassen werde. Das Zölibat wurde im 10. Jahrhundert, 900 Jahre nach dem Tod Jesu eingeführt, betonte der Papst laut dem Journalisten. „Die orthodoxe Kirche erlaubt, dass ihre Priester heiraten. Dieses Problem besteht, ist aber nicht von großer Relevanz. Man braucht Zeit, doch es gibt Lösungen und ich werde sie finden“, wurde Franziskus zitiert.

Franziskus sprach in dem Interview auch über das Thema des Organisierten Verbrechens, nachdem er vor drei Wochen die Mafiosi exkommuniziert hatte. Er klagte, dass zu viele Priester in Süditalien die Mafia unterschätzen würden. „Natürlich verurteilen sie die einzelnen Verbrechen, würdigen die Todesopfer und unterstützen ihre Familien. Doch die öffentliche und konstante Verurteilung der Mafia ist selten. Der erste große Papst, der dies in Süditalien tat, war Johannes Paul II“, sagte Franziskus.

Das Interview Scalfaris mit Papst Franziskus entstand wie bereits zwei andere in den vergangenen Monaten offenbar ohne Aufzeichnungen. Wie Scalfari auf Nachfrage nach den ersten beiden Interviews mit dem Papst erklärt hatte, habe er weder auf eine Tonaufzeichnung noch auf schriftliche Notizen zurückgegriffen. (APA)


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