Den vierten Stern auf der Brust: Deutschland am Ziel angelangt
Das lange Warten hat ein Ende: Nach 24 Jahren krönte sich Deutschland in Brasilien wieder zum Fußball-Weltmeister.
Rio de Janeiro - Der Bann ist gebrochen. Deutschlands Fußball-Nationalteam hat sich nach langem Warten am Sonntag endlich wieder einmal den Traum eines großen Titelgewinns erfüllt. 24 Jahre nach dem letzten WM-Triumph 1990 sowie 18 Jahre nach dem letzten EM-Erfolg 1996 setzten sich die Deutschen bei der WM-Endrunde in Brasilien mit einem Finalsieg in Rio de Janeiro gegen Argentinien durch. Coach Joachim Löw krönte damit seine durch die Bank erfolgreiche Ära, ein Titelgewinn war das Einzige, was ihm bisher noch gefehlt hatte.
Ruf als Turnier-Mannschaft bestätigt
Für die DFB-Auswahl war es Titel Nummer vier bei einer WM-Endrunde nach den Erfolgen 1954, 1974 und 1990. Nur mehr ein Sieg fehlt nach dem zweiten Final-Erfolg gegen Argentinien im dritten direkten Endspiel-Duell auf Rekord-Weltmeister Brasilien. Die Deutschen präsentierten sich nach einer fast makellosen Qualifikation in Brasilien einmal mehr als „Turnier-Mannschaft“, die sich im Verlauf der Endrunde steigern konnte. Nach dem klaren 4:0-Auftaktsieg gegen Portugal blieb die DFB-Truppe gegen Ghana (2:2) und die USA (1:0) vieles schuldig, der angepeilte Aufstieg und Gruppe-G-Sieg wurde am letzten Spieltag trotzdem fixiert.
In der K.o.-Phase musste sie dann ausgerechnet im Achtelfinale gegen Algerien am meisten zittern, der 2:1-Sieg nach torlosen 90 Minuten war erst nach der Verlängerung in der Tasche. Das brachte Löw viel Kritik ein. Wie von den Medien gefordert rückte Kapitän Philipp Lahm ab dem Zeitpunkt vom defensiven Mittelfeld rechts in die Viererkette zurück, was sich positiv auswirkte. Im Viertelfinale machte ein schnelles Kopfballtor von Mats Hummels im Duell mit Frankreich den Unterschied aus.
Das Semifinale nützte die Löw-Mannschaft, um die schon vor der WM klar deutlich gemachten Titel-Ambitionen eindrucksvoll zu untermauern. Mit einem 7:1-Kantersieg, ausgerechnet gegen Gastgeber Brasilien, hatte niemand gerechnet. Neben den Doppel-Torschützen Toni Kroos und Andre Schürrle, der während der WM als „Joker“ überzeugen konnte, und Thomas Müller beteiligten sich am Schützenfest mit Miroslav Klose und Sami Khedira auch zwei Kicker, deren Kader-Nominierung lange Zeit nicht sicher gewesen war.
Real Madrids Mittelfeldspieler Khedira wurde aufgrund eines im November erlittenen Kreuzbandrisses erst kurz vor Turnierbeginn wieder fit. Klose war diese Saison immer wieder angeschlagen, brachte es daher in 22 Spielen für Lazio Rom nur auf sieben Tore. Löws Entscheidungen waren riskant, gingen aber auf. Klose rettete die Deutschen beim 2:2 gegen Ghana vor einer Niederlage und avancierte mit seinem Treffer gegen Brasilien, dem Gesamt-16., schlussendlich auch zum WM-Rekordtorschützen.
Khedira konnte sich von Partie zu Partie steigern und durfte bei seinem klar besten Auftritt im Halbfinale auch über ein Tor jubeln. Zuletzt bildete er wieder gemeinsam mit dem im Turniervorfeld ebenfalls angeschlagen gewesenen Bastian Schweinsteiger die gewohnte Doppel-Sechs. Während Mesut Özil auf dem Weg ins Finale nur selten glänzen konnte, zeigte Kroos auf. Müller überzeugte wie schon 2010 als DFB-Top-Torschütze. Ein Erfolgsgeheimnis waren die gefährlichen Standardsituationen, die mehrmals zum Torerfolg führten. Hinten konnten sich die Deutschen auf Manuel Neuer verlassen, der in den entscheidenden Momenten tolle Paraden zeigte.
300.000 Euro für jeden Kicker
Der WM-Torrekord von Klose war nicht das einzig Historische, das die Deutschen, die pro Mann 300.000 Euro an Prämie kassieren, schafften. Erstmals triumphierte eine europäische Mannschaft auf südamerikanischen Boden bei einer WM. Das 7:1 gegen Brasilien war zudem der höchste Erfolg in dieser Bewerbstufe in der WM-Geschichte.
In der Löw-Ära, die im Juli 2006 begann (davor war er seit 2004 schon als Assistenztrainer tätig), hat es die DFB-Auswahl damit bei großen Turnieren stets aufs Stockerl geschafft. Nach WM-Platz drei 2006, Vize-Europameister-Titel 2008, sowie den Rängen drei bei der WM 2010 sowie der EM 2012 gelang nun im fünften Anlauf endgültig der lang ersehnte Sprung nach ganz oben. Und die Aussichten für die Zukunft sind für den WM-Halbfinal-Dauergast (seit 2002 immer) durchaus rosig.
Während die Team-Karriere des 36-jährigen Klose zu Ende sein dürfte, scheint für langjährige Stützen wie Kapitän Philipp Lahm (30), Per Mertesacker (29), Bastian Schweinsteiger (29) oder Lukas Podolski (29), die genauso 2006 schon dabei waren, eine weitere WM-Teilnahme 2018 in Russland realistisch. Der Rest des Kaders ist noch vergleichsweise jung, dem DFB-Team steht also in naher Zukunft kein großer Umbau bevor. Das trifft wohl auch auf die Trainerposition zu, wurde doch der Kontrakt mit Erfolgscoach Löw schon vor der WM bis nach der EM 2016 verlängert. Eine Änderung gibt es auf dem Co-Trainer-Posten, steigt doch Hansi Flick zum DFB-Sportdirektor auf. (APA)
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