Entgeltliche Einschaltung

Deutsche Politiker und Forscher fordern Neubewertung der Mammografie

Hamburg (APA/AFP) - In der Debatte um den Nutzen der Brustkrebs-Früherkennung mehren sich die Stimmen für eine Neubewertung der Mammografie....

  • Artikel
  • Diskussion

Hamburg (APA/AFP) - In der Debatte um den Nutzen der Brustkrebs-Früherkennung mehren sich die Stimmen für eine Neubewertung der Mammografie. Es sei an der Zeit, den Brustkrebscheck neu zu bewerten, sagte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“. „Alle neuen Erkenntnisse sprechen in der Tendenz eher gegen das Screening.“

Lauterbach war als Berater der früheren Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) maßgeblich an der Einführung des Mammografieprogramms beteiligt. Auch Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, hält es für „vernünftig“, das Mammografie-Screening nach zwölf Jahren neu zu bewerten. Jürgen Windeler, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), forderte im „Spiegel“, die Frauen endlich fair über Nutzen und Risiken aufzuklären. In Deutschland unterziehen sich jährlich rund 2,7 Millionen Frauen einer regelmäßigen Untersuchung der Brust.

Entgeltliche Einschaltung

Frauen der betreffenden Altersgruppe erhalten bisher regelmäßig ein Merkblatt, das für die Teilnahme am Screening wirbt. Dieses Merkblatt stößt auf Kritik, weil darin der Nutzen der Mammografie völlig übertrieben werde. „Es schweigt sich darüber aus, dass die Gesamtsterblichkeit in der Screening-Gruppe gleich hoch ist wie in der Nicht-Screening-Gruppe“, sagte Gerd Gigerenzer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, dem „Spiegel“. Beim zuständigen Gemeinsamen Bundesausschuss von Ärzten, Kliniken und Kassen (G-BA) hieß es, das Merkblatt werde derzeit überarbeitet.

Über das Mammografie-Screening wird seit längerem kontrovers diskutiert. Nach Ansicht von Kritikern wird der Nutzen der Mammografie überschätzt, während gleichzeitig Frauen unnötigerweise operiert werden oder eine Strahlenbehandlung bekommen. Befürworter weisen indes darauf hin, dass durch das Screening die Brustkrebssterblichkeit deutlich gesenkt werden konnte. In einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung und der Barmer GEK gab allerdings die Hälfte der Frauen an, sie fühlten sich über die Früherkennung falsch oder gar nicht informiert.

Für Frauen zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr ist die Mammografie in Deutschland Bestandteil des Krebsfrüherkennungsprogramms. In Deutschland erkranken mehr als 70.000 Frauen pro Jahr neu an Brustkrebs, 17.000 sterben an der Krankheit.

In Österreich ist erst Anfang 2014 ein Mammografie-Screeningprogramm zur besseren Früherkennung von Brustkrebs gestartet. Es wurde zwischen Sozialversicherung, Ärztekammer und Gesundheitsministerium sowie den Bundesländern ausverhandelt. 1,5 Millionen Frauen im Alter zwischen 45 und 69 Jahren sollten alle zwei Jahre (63.000 pro Monat) automatisch Einladungen zur Mammografie bekommen, so zunächst der Plan. Mittlerweile wurden mehrere Änderungen vorgenommen, auch weil das Angebot nicht besonders gut angenommen worden war. So berechtigt die E-Card nunmehr Frauen zwischen 45 und 69 Jahren automatisch für die Untersuchung. Frauen zwischen 40 und 44 sowie Frauen ab 70 können sich freiwillig zu dem Programm anmelden.


Kommentieren

Entgeltliche Einschaltung