Nordkorea stellt sich selbst Menschenrechtszeugnis aus

Weil die menschenrechtliche Lage in Nordkorea vom Westen kritisiert wird, entwirft Nordkorea jetzt kurzerhand einen eigenen Bericht. In der letzten Studie der UNO wurden unter anderem Ausrottung, Mord, Folter oder erzwungene Abtreibungen im stalinistischen Nordkorea angeprangert.

Pjöngjang/New York – Die stalinistische Führung Nordkoreas hat genug von den Anschuldigungen des Westens und will nun einen eigenen Menschenrechtsbericht vorlegen, der dem Land eine „glänzende und rosige Zukunft“ bescheinigt. Der Report solle „in naher Zukunft“ erscheinen und die „Lügen und Erfindungen“ der „feindlichen Kräfte“ kontern, sagte ein Sprecher des nordkoreanischen Menschenrechtsverbands.

Mithilfe der eigenen Bilanz wolle Pjöngjang mit den „Vorurteilen und Missverständnissen“ aufräumen, sagte er in dem am Montag veröffentlichten Interview der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA.

UNO: Nordkorea hungert Bevölkerung aus

Eine UNO-Expertenkommission zur Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea hatte Pjöngjang im Februar vorgeworfen, bis zu 120.000 politische Gefangene in vier großen Lagern zu internieren. Im Kommissionsbericht aufgelistet wurden „Ausrottung, Mord, Versklavung, Folter, Haft, Vergewaltigung, erzwungene Abtreibungen“ sowie zahlreiche weitere Verbrechen, darunter Zwangsumsiedlungen und das Aushungern von Bevölkerungsgruppen. Pjöngjang wies diese Beschuldigungen als „schiere Erfindung“ der USA und ihrer Verbündeten zurück.

Der Bericht stützt sich auf Aussagen von mehr als 80 Nordkoreanern, denen die Flucht gelang. Pjöngjang hatte nicht mit der UNO kooperiert, weshalb Untersuchungen an Ort nicht möglich waren. Ein ehemaliger Häftling berichtete, wie er die Leichen von Verhungerten verbrennen und ihre Asche als Dünger verteilen musste. Andere waren demnach gezwungen, ihre unterernährten Babys mit Mäusen und Schlangen zu füttern. Für die Verbrechen könnten nach Einschätzung der Kommission „mehrere hundert“ Menschen verantwortlich sein. „Ein Großteil der Verantwortung“ wurde der Staatsführung zugewiesen.

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Südkorea will Gespräche über Verwandten-Zusammenführung

Südkorea hat Nordkorea neue Gespräche hochrangiger Regierungsvertreter über die Verbesserung der Beziehungen vorgeschlagen. Südkorea habe in dem Vorschlag die Hoffnung geäußert, „Fragen von gemeinsamen Interesse“ einschließlich neuer Begegnungen von Angehörigen auseinandergerissener Familien zu diskutieren, teilte das Vereinigungsministerium in Seoul am Montag mit.

Die Gespräche könnten am nächsten Dienstag im Grenzort Panmunjom stattfinden. Im Februar hatten die Regierungen beider Länder die ersten kurzfristigen Verwandtentreffen seit mehr als drei Jahren zugelassen.

Südkorea und das total verarmte Nordkorea befinden sich nach dem Korea-Krieg 1950-53, nach dem es nur einen Waffenstillstand nicht aber einen Friedensvertrag gab, formell noch immer im Kriegszustand. (APA/AFP)


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