Sie schafften den Grenzdurchbruch - 25 Jahre Paneuropäisches Picknick

Wien (APA) - Am 19. August ist es 25 Jahre her, dass Hunderte DDR-Bürger an der österreichisch-ungarischen Grenze den Übergang durchbrachen ...

Wien (APA) - Am 19. August ist es 25 Jahre her, dass Hunderte DDR-Bürger an der österreichisch-ungarischen Grenze den Übergang durchbrachen und dadurch das Ende des „deutschen Arbeiter- und Bauernstaates“ einläuteten. Auch diesmal finden mehrere Veranstaltungen zum Jahrestag des „Paneuropäischen Picknicks“ statt.

Die Kundgebung am 19. August 1989, die unter der Schirmherrschaft von Paneuropa-Präsident Otto Habsburg und dem damaligen ungarischen Staatsminister Imre Pozsgay (beide allerdings nicht anwesend) stand, hätte zunächst einfach nur ein völkerverbindendes Beisammensein beim Grenzübergang nahe Sopron (Ödenburg) samt symbolischer „Grenzöffnung“ sein sollen. Immerhin war in den Monaten vorher bereits der „Eiserne Vorhang“ zwischen Österreich und Ungarn weitgehend abgebaut worden. Zur Ikone wurden die Bilder, auf denen die damaligen Außenminister Gyula Horn und Alois Mock (ÖVP) gemeinsam den Stacheldraht durchschnitten.

Doch mit den DDR-Bürgern, die sich zum Teil schon seit Wochen als Touristen in Ungarn aufhielten, aber nicht nach Hause fahren wollten, hatte niemand gerechnet. Sie hofften, eine Möglichkeit zu finden, in den Westen „rüberzumachen“ - und in den Flugblättern über das völkerverbindende „Picknick“, bei dem kurzzeitig auch ein weitgehend freies Überqueren der Grenze möglich war, sahen vielen von ihnen diese Chance.

Während die Teilnehmer der Veranstaltung noch auf eine Öffnen des Grenztores warteten, stießen am frühen Nachmittag plötzlich rund 200-300 DDR-Bürger - großteils junge Familien - das Tor auf und stürmten in die Freiheit. In den darauffolgenden Stunden folgten schätzungsweise noch einige Hundert nach. Alle Anwesenden waren von dieser Entwicklung überrascht, doch griffen die ungarischen Grenzsoldaten - aufgrund der Besonnenheit von Kommandant Arpad Bella - nicht ein. Auf österreichischer Seite erhielten die flüchtenden Menschen, die oft nichts hatten, als das, was sie auf dem Leib trugen, sofort viel Unterstützung und Hilfe.

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Der Durchbruch sollte einer der wichtigsten Ereignisse im Vorfeld des Zusammenbruchs des kommunistischen DDR-Regimes im November 1989 und der deutschen Wiedervereinigung vom 3. Oktober 1990 sein.

Heuer findet am 19. August laut der Internetseite www.paneuropaipiknik.hu zum 25. Jahrestag ein „Familientag“ beim Grenzübergang mit zahlreichen Programmen statt. Am Nachmittag spricht der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban - damals selbst ein wichtige Figur der Wende - über „1989 - Jahr der Wunder“.

Ergänzt wird die Gedenkveranstaltung durch eine Konferenz am 18. und 19. August in Sopron sowie am gleichen Ort durch eine Ausstellung mit dem Titel „Der erste Riss im Eisernen Vorhang“. Am 25. August sprechen außerdem im burgenländischen Rust Zeitzeugen - darunter der damalige ungarische Grenzkommandant Bella und sein österreichischer Kollege Stefan Biricz - über die damaligen Ereignisse.

( S E R V I C E: http://www.paneuropaipiknik.hu )


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