„Es hilft uns nicht, Geld zu verbrennen“

Danijel Dzihic, seit Frühjahr 2014 Geschäftsführer von Ford Austria, spricht über Werksschließungen und neue Ford-Modelle.

Danijel Dzihic (Mitte) sucht den Kontakt zu Tiroler Autohändlern, hier mit Michael Mayr (rechts) und Micha-Emanuel Hauser vom Autopark.Foto: Höscheler

Seit wenigen Monaten leiten Sie die Geschicke von Ford Austria – haben Sie den Posten angestrebt?

Danijel Dzihic: Ja, aber es war überraschend, dass der Vorgänger sich entschlossen hat, die Firma zu verlassen, und es ging alles schneller als geplant. Grundsätzlich behandelt die europäische Ford-Zentrale solche Postenbesetzungen aber sehr vo­rausschauend.

Was haben Sie vor?

Dzihic: Ich stehe für Offenheit und Transparenz, außerdem arbeite ich lösungsorientiert. Es wird Herausforderungen geben, extern wie intern – und diesen stellen wir uns.

Eine Herausforderung hat Ford selbst zu verantworten: die verzögerte Einführung neuer Modelle. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

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Dzihic: Es ist nicht neu, dass die Autoindustrie mit Überkapazitäten in Europa zu kämpfen hat. Diesem Problem haben wir uns rechtzeitig gestellt, denn man muss mit der Nachfrage mitgehen. Die Entscheidung, Werke in Europa zu schließen wie in Genk (Belgien) und die Produktion der nächsten Mondeo-Generation zu verschieben, ist uns nicht leicht gefallen. Aber es hilft uns nicht, wenn wir Geld verbrennen und uns schwächen. Für die Marke ist unser Vorgehen langfristig die richtige Entscheidung.

In den USA fährt der Mondeo als Fusion schon länger auf der Straße, das Facelift des Focus ist schon bekannt, dennoch kommen beide Modelle erst Anfang 2015 auf den Markt – schadet der lange Vorlauf dem Handel?

Dzihic: Da müssen wir einfach umdenken, denn es ist der Kunde, der danach verlangt. Wir sollten ihm ruhig das zeigen, was ihn in den kommenden Monaten und Jahren erwartet. Man kann die alten Modelle in der Zwischenzeit trotzdem abverkaufen, da es sich in den meisten Fällen um andere Kundengruppen handelt.

Wenn der Mondeo bei uns startet, ist er in den USA schon zwei Jahre auf dem Markt – ist das von Nachteil?

Dzihic: Das Auto ist in jeder Hinsicht ein Hingucker. Optisch, technologisch, von der Verarbeitung her sind wir gut unterwegs. Wir bekommen so viele positive Rückmeldungen aus den USA, vor allem von Kunden, die von anderen Marken zum Fusion/Mondeo gewechselt sind.

Welche neuen Ford-Modelle werden Sie in den nächsten eineinhalb Jahren servieren, außer Mondeo und Focus?

Dzihic: Im Herbst kommt das kleine SUV EcoSport auf den Markt, im nächsten Jahr gibt es das größere SUV Edge, den Mondeo mit Allradkonfiguration sowie die Rückkehr der Legende namens Mustang.

Wieso kommt das Muscle Car nach jahrelanger offizieller Absenz wieder nach Europa?

Dzihic: Weil er wichtig für die Marke ist. Er bietet eine tolle Chance, Ford emotional aufzuladen. Das Auto elektrisiert, allein schon wegen seines eigenständigen Designs. Mit ihm ist so viel Begeisterung verbunden.

Hält sich die in Grenzen angesichts des angekündigten Einbaus eines Vierzylinder-Turbobenziners?

Dzihic: Warten Sie es ab, auch mit diesem Aggregat ist der Mustang ein scharfes Produkt. Und wir dürfen nicht vergessen, dass die schärferen Umweltbestimmungen – Beispiel 95 g CO2 je Kilometer im Jahr 2020 für Neuwagen – auch vor einem Mustang nicht haltmachen.

Keinen Stopp kennen Sie offenbar im Nutzfahrzeugbereich: Was hat sich hier getan?

Dzihic: Wir haben in den vergangenen zwei Jahren praktisch die ganze Flotte erneuert und ausgebaut und bieten ein unglaublich vielseitiges Programm an, das vom kleinen Transit Courier über Van-of-The-Year-Sieger 2013 Transit Custom und 2014 Transit Connect bis zum neuen großen Transit reicht. Daran sieht man, dass Ford großen Wert auf den Sektor legt, nicht umsonst sind wir an zweiter Stelle bei den Neuzulassungen mit einem Marktanteil von über 15 Prozent.

Das Interview führte Markus Höscheler


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