Walburga Habsburg Douglas zu Paneuropa-Picknick: „Ein großer Erfolg“

Wien (APA) - „Wenn man dabei ist, hat man keine Vorstellung davon, wie das die europäische Geschichte beeinflusst hat.“ So erinnert sich Wal...

Wien (APA) - „Wenn man dabei ist, hat man keine Vorstellung davon, wie das die europäische Geschichte beeinflusst hat.“ So erinnert sich Walburga Habsburg Douglas, jüngste Tochter von Kaisersohn Otto Habsburg, an das von ihr von 25 Jahren mitorganisierte „Paneuropäische Picknick“ im APA-Gespräch. Dieses sei auf jeden Fall „ein großer Erfolg“ gewesen.

Am 19. August 1989 hatten am Rande dieser Friedenskundgebung nahe Sopron (Ödenburg) an der österreichisch-ungarischen Grenze unerwartet Hunderte DDR-Bürger das Grenztor durchbrochen und waren in den Westen geflüchtet. Dieses Ereignis gilt als eines der maßgeblichen Elemente auf dem Weg zum Fall des kommunistischen DDR-Regimes und zur deutschen Wiedervereinigung.

Dabei hatten die Organisatoren gar nicht an das deutsch-deutsche Verhältnis gedacht, als sie das grenzüberschreitende „Picknick“ veranstalteten. Vielmehr war ihnen die europäische Position Ungarns, das sich damals gerade im friedlichen Übergang vom Kommunismus befand, ein Anliegen. „Mein Vater hatte die Idee, zu zeigen, dass Ungarn ein Teil von Europa ist und gerne mit dabei sein will.“ Deshalb habe sie damals auch das enorme Medieninteresse bei der Pressekonferenz des „Picknicks“ mit „Fernsehteams bis hin nach Japan“ so beeindruckt.

Als sie dann die Ostdeutschen durch den Grenzübergang laufen sah, sei sie „irrsinnig beeindruckt und begeistert“ gewesen, obwohl sie wegen der Pressekonferenz „erst fünf Minuten später“ dazugekommen sei. „Das habe ich nicht erwartet, ich habe mir das gar nicht vorstellen können.“

Ihr Gedanke sei damals gewesen: „Jetzt sehe ich, wie der Eiserne Vorhang fällt.“ Der Eiserne Vorhang zwischen Ost- und Westeuropa habe die 1958 Geborene immerhin schon ihr gesamtes Leben begleitet. „Der Eiserne Vorhang war immer mein Hauptbeweggrund, politisch aktiv zu sein“, bekennt Habsburg Douglas, die heute in Schweden lebt und dort Parlamentsabgeordnete der konservativen Moderaten Sammlungspartei von Premier Fredrik Reinfeldt ist.

Ob ihre Erwartungen von 1989 realisiert wurden? „In gewisser Weise wurden sie schon realisiert, etwa dadurch, dass Ungarn EU-Mitglied geworden ist“, so Habsburg Douglas. Überhaupt seien heute „alle bedeutenden Länder von damals“ mittlerweile der EU beigetreten, erinnert sie.

Allerdings hätte sie sich erwartet, dass sich „die EU-Zusammenarbeit und -Ausweitung schneller, stärker vor sich gehen würde“. Und es sei auch „in keiner Weise alles fertig“: „Europa ist heute nicht Friede, Freude, Eierkuchen“, betont Habsburg Douglas und erinnert etwa an die Situation in der Ukraine oder in Moldawien.

Bezüglich des „Paneuropäischen Picknicks“ schmerzt sie dieser Tage vor allem, „dass heute die Leute darüber streiten, wer nun wirklich die Idee dazu hatte. Das ist doch völlig uninteressant. Wichtig ist allein, dass es ein großer Erfolg war“.

( Das Gespräch führte Petra Edlbacher/APA.)


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