Südkorea will mit Nordkorea über Verbesserung der Beziehungen reden

Seoul/New York (APA/dpa/AFP) - Südkorea will mit Nordkorea über eine Verbesserung der angespannten Beziehungen reden. Das Vereinigungsminist...

Seoul/New York (APA/dpa/AFP) - Südkorea will mit Nordkorea über eine Verbesserung der angespannten Beziehungen reden. Das Vereinigungsministerium in Seoul schlug dem Nachbarn am Montag neue Gespräche hochrangiger Regierungsvertreter vor.

Im Vordergrund sollen neue Treffen von Angehörigen auseinandergerissener Familien stehen. Doch sei Südkorea bereit, über alle Probleme zu reden, bestehende Sanktionen gegen Nordkorea eingeschlossen, falls dies die Gegenseite wolle, sagte eine Sprecherin.

Zuvor hatte Südkorea angekündigt, auch wieder Geld in Millionenhöhe für humanitäre Hilfsprojekte internationaler Organisationen im weithin abgeschotteten Nachbarland zur Verfügung zu stellen.

Südkorea hofft, Anfang September zum koreanischen Erntedankfest neue Treffen älterer Koreaner arrangieren zu können, die ihre Angehörigen im Korea-Krieg (1950-53) aus den Augen verloren hatten. In dem Vorschlag habe Südkorea die Hoffnung geäußert, „über Fragen von gemeinsamem Interesse einschließlich neuer Familienwiedersehen zu diskutieren“, hieß es. Die Gespräche könnten am nächsten Dienstag im Grenzort Panmunjom stattfinden. Eine Antwort blieb zunächst aus.

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Zuletzt hatten im Februar Familientreffen stattgefunden. Auch hatten beide Länder damals die hochrangigsten bilateralen Gespräche seit einigen Jahren geführt. Sie blieben aber ohne greifbares Ergebnis. Seitdem hatten sich die Beziehungen wieder zusehends verschlechtert.

Das nordkoreanische Militär hatte in den vergangenen Monaten eine ungewöhnlich große Anzahl verschiedener Raketentypen getestet. Anfang Juli hatte Nordkorea neue Entspannungsvorschläge an Südkorea gerichtet, die Seoul jedoch als „unaufrichtig“ zurückgewiesen hatte. Zuletzt hatte das stalinistisch geführte Nordkorea mehrmals vor dem Beginn eines jährlichen Manövers der südkoreanischen und amerikanischen Streitkräfte in diesem Monat gewarnt und die beiden Länder aufgerufen, diese Übungen abzusagen.

Südkorea plant Hilfsleistungen für Nordkorea im Wert von 13,3 Millionen Dollar (etwa zehn Millionen Euro). Sie sollen über das Welternährungsprogramm (WFP) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) laufen. Von der geplanten Hilfe über das WFP sollen sieben Millionen Dollar zum Ankauf von Nahrungsmitteln für Mütter und Kinder in Nordkorea genutzt werden. Mit 6,3 Millionen Dollar sollen Projekte der WHO in Nordkorea unterstützt werden.

Die nordkoreanische will unterdessen einen eigenen Menschenrechtsbericht vorlegen, der dem Land eine „glänzende und rosige Zukunft“ bescheinigt. Der Report solle „in naher Zukunft“ erscheinen und die „Lügen und Erfindungen“ der „feindlichen Kräfte“ kontern, sagte ein Sprecher des nordkoreanischen Menschenrechtsverbands. Mithilfe der eigenen Bilanz wolle Pjöngjang mit den „Vorurteilen und Missverständnissen“ aufräumen, sagte er in dem am Montag veröffentlichten Interview der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA.

Eine UNO-Expertenkommission zur Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea hatte Pjöngjang im Februar vorgeworfen, bis zu 120.000 politische Gefangene in vier großen Lagern zu internieren. Im Kommissionsbericht aufgelistet wurden „Ausrottung, Mord, Versklavung, Folter, Haft, Vergewaltigung, erzwungene Abtreibungen“ sowie zahlreiche weitere Verbrechen, darunter Zwangsumsiedlungen und das Aushungern von Bevölkerungsgruppen. Pjöngjang wies diese Beschuldigungen als „schiere Erfindung“ der USA und ihrer Verbündeten zurück. Der Bericht stützt sich auf Aussagen von mehr als 80 Nordkoreanern, denen die Flucht gelang. Pjöngjang hatte nicht mit der UNO kooperiert, weshalb Untersuchungen an Ort nicht möglich waren.

Der Kult um Staatsgründer Kim Il-sung soll offenbar zugunsten seines Enkels, des aktuellen Diktators Kim Jong-un zurückgefahren werden, er ist auf der neuen 5.000-Won-Banknote nicht mehr zu sehen, wie südkoreanische Medien berichteten. Der Ende Juli ausgegebene Geldschein zeige nun das Geburtshaus von Kim Il-sung (1912-1994), auf der Rückseite sei ein Museum abgebildet, in dem Geschenke von ausländischen Staatschefs ausgestellt sind.


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