„Das ist eine Gratwanderung“

BMW-Group-Austria-Geschäftsführer Kurt Egloff sprach mit der TT über Modellvielfalt, technischen Fortschritt und Elektroautos.

Anfang August 2012 übernahm Kurt Egloff die Geschäftsführung der BMW Group Austria mit Sitz in Salzburg.
© Werk

Die BMW Group hat sich einem Kraftakt ausgesetzt: 16 Produktneueinführungen, davon vier Facelifts, stehen heuer am Programm – überfordert das die beteiligten Händler und Kunden?

Kurt Egloff: Es ist nicht so, dass alles völlig neue Modelle sind. Zum Teil gibt es neue Modellzyklen, die wieder anlaufen. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass die Kunden ihren Bedürfnissen entsprechend abgeholt werden – und ich bin überzeugt, dass wir damit individuelle und attraktive Produkte anbieten. Dass wir heute weltweit der erfolgreichste Premium-Hersteller sind, verdanken wir unter anderem auch unserer offensiven Modellpolitik. Wir können heute mit unserem umfangreichen Angebot fast jeden Kundenwunsch erfüllen. Natürlich: Die Vielfalt nimmt zu, aber auch für unsere Händler hat das Vorteile, denn mit neuen Angeboten erreichen wir auch neue Kunden.

Sie haben viele verschiedene Modelle, doch die meisten ähneln sich von der Optik her stark. Besteht bereits zu große Verwechslungsgefahr?

Egloff: Wir wollen die Wiedererkennbarkeit von BMW-Modellen gegenüber der Konkurrenz in den Vordergrund stellen. Sicher ist es nicht immer ganz einfach, bestimmte Modelle von Unterreihen zu unterscheiden – das ist eine Gratwanderung. Es kann durchaus sein, dass der Kunde von vorne oder von hinten manchmal Mühe hat, ein Fahrzeug zu bestimmen. Uns ist aber wichtiger, dass der Kunde unsere Marke nicht mit einem Konkurrenten verwechselt.

Sie haben nicht nur neue Baureihen, sondern führen gerade massiv neue Technik ein: etwa Elektroantrieb, Plug-in-Hybridantrieb und Dreizylinder-Verbrennungsmotoren. Und dann gibt es auch den neuen Fokus auf Frontantrieb. Verzetteln Sie sich?

Egloff: Was den Frontantrieb anbelangt, so kennen wir den bereits von MINI. In den unteren Segmenten stellt diese Antriebsart eine Notwendigkeit dar. Für unsere Kunden ist es absolut nachvollziehbar, dass wir im Bereich der 1er-Reihe und der 2er-Reihe auch einen neuen Weg gehen. Außerdem bieten wir hier auch xDrive an: Der Kunde hat also immer die Option auf ein Allradsystem.

Und warum macht sich BMW für Dreizylinder stark?

Egloff: Diese neuen Triebwerke sind ein wichtiger Bestandteil unserer „EfficientDynamics“-Strategie. Wir verfolgen damit das Ziel, den Verbrauch und den CO2-Ausstoß weiter zu reduzieren – und das bei gleichbleibender Performance. Unsere Kunden nehmen das sehr positiv auf. Und dass man damit auch enormen Fahrspaß erleben kann, zeigt sehr eindrucksvoll der Dreizylinder-Motor im neuen i8 – er leiste­t 231 PS und das bei einem äußers­t geringen Treibstoffverbrauch.

Da der i8 gerade in den Handel kommt – wie läuft es mit dem Projekt „i“ in Österreich?

Egloff: Es ist sehr gut angelaufen. Wir sind extrem stolz auf die Entwicklung, da wir schon über 300 i3 auf Österreichs Straßen haben. Und zudem sind ca. 100 Bestellungen noch offen. Damit haben wir einen enormen Anteil an allen verkauften Elektrofahrzeugen in Österreich. Der i8 wird ebenfalls sehr positiv aufgenommen. Wir sind bereits bei einigen Monaten Lieferzeit, daher versuchen wir im Moment auch noch zusätzliche Fahrzeuge zu bekommen.

Der i8 ist ein Plug-in-Hybrid – folgen weitere Modelle mit dieser alternativen Antriebsart?

Egloff: Die Elektrifizierung wird ein wichtiger Teil unserer zukünftigen Antriebsstrategie sein.

Der österreichische Gesamtmarkt befindet sich im Abschwung – wie wird es BMW heuer ergehen?

Egloff: Ich glaube, dass sich der Gesamtmarkt ähnlich entwickeln wird wie im Jahr 2013. Wir haben aber nach wie vor das Ziel, das sehr erfolgreiche Jahresergebnis 2013 erneut zu erreichen oder sogar besser abzuschneiden. Vor allem marktanteilsmäßig wollen wir weiter wachsen, hinsichtlich des Volumens werden wir sehen.

Das Interview führte Markus Höscheler


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