„Alles Gute und auf Wiedersehen“: Viola Rohners Debüt

Bern (APA/sda) - Zwei entdecken ihre Gemeinsamkeiten, verlieben sich, ein Teil klammert, der andere flüchtet: Es ist eine alte Geschichte, d...

Bern (APA/sda) - Zwei entdecken ihre Gemeinsamkeiten, verlieben sich, ein Teil klammert, der andere flüchtet: Es ist eine alte Geschichte, die Viola Rohner in ihrem Romandebüt „Alles Gute und auf Wiedersehen“ erzählt - bekannt und doch ganz anders, nicht nur, weil beides Frauen sind. Ein klein bisschen erinnert die Geschichte auch an Johanna Spyris „Heidi“-Romane.

So kommt die junge Lora aus den Bergen in eine Berliner Studenten-WG und hilft dort ihrer Mitbewohnerin Mara psychisch wieder auf die Beine. Auch ein eifersüchtiger Ziegenpeter ist vorhanden. Als Lora 1987 mit ihrem großen roten Koffer in die WG einzieht, liegt das Zusammenleben dort brach. Mara ist nur noch an der Uni eingeschrieben wegen dem Stipendium und der Krankenkasse. Blätter an den Wänden mit Worten und Satzfragmenten zeugen von halbherzigen schriftstellerischen Ambitionen. Die anderen beiden Mitbewohner kommen nur noch zum Schlafen.

Lora zieht neue Saiten auf: Sie sorgt für deftige Mahlzeiten, zettelt sanfte Renovierungen und gemeinsame WG-Abende an. Mara bringt sie bei, die Angst vor der U-Bahn zu überwinden, wieder an die Uni zu gehen und das Schreiben wieder aufzunehmen. Sie selber stürzt sich mit Talent und Ehrgeiz in theoretische und praktische Theaterarbeit.

Die beiden Frauen ermuntern und stützen einander, sie tun sich gut, es kommt zu einer ersten Liebesnacht. Doch während sich Lora ständig weiterentwickelt, tritt Mara auf der Stelle. Die Schweizerin flüchtet vor ihr zeitweise in den Osten der damals noch geteilten Stadt, baut scheinbar keusche Freundschaften auf mit Männern und verschwindet schließlich ganz.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

„...weil Du dich selber vergessen hast in meiner Nähe“, wird sie später Mara in einem Brief erklären. 16 Jahre lang bleibt der Brief liegen, ohne dass die Verlassene gewahr wird, dass sie ihn überhaupt besitzt. Nachdem sie ihn gelesen hat, macht sich Mara mit Freunden auf die Suche nach der Geliebten, findet sie auch - an einem Ort, wo man niemanden zu finden hofft, gemeinsam mit einer anderen Mara. Kleenex bereithalten.

Das Buch setzt ein drei Wochen nach der Rückkehr Maras nach Berlin. Denn die Reise hat in ihr einen Krampf gelöst - endlich kann sie schreiben. Es bricht wie eine Flut über sie, sie kann nicht aufhören zu notieren, vernachlässigt ihren Freund, beschreibt auch dies, verknüpft kunstvoll mehrere Ebenen - die Zeit mit und nach Lora, Reminiszenzen an die Kindheit, die Reise in die Schweiz und die Gegenwart des Schreibens.

Dieser Aufbau irritiert am Anfang, als die Ich-Erzählerin Mara noch ganz aufgelöst und pathetisch ist. Vom Jesuskind ist die Rede und von der Wiedervereinigung, letzteres durchaus im politisch-historischen Sinn, was als Vergleich zu einer Liebesgeschichte etwas gar hoch gegriffen ist. Da gilt es, Autorin und erzählende Person streng auseinanderzuhalten.

Im Fortgang entwickeln die Andeutungen und Irritationen einen starken Sog, man kann das Buch kaum aus der Hand legen, weil es gleich drei Zeitebenen gibt, in denen es Rätsel zu lösen gibt. Wer sind Leif, Morten, Leo, Alex, Corsin, fragt man sich beispielsweise auf den ersten paar Seiten?

Es gehört zu den Stärken dieses Buches, dass die Autorin Viola Rohner Leser nicht bei der Hand nimmt sondern auf deren Fähigkeiten vertraut. Allzu oft wird einem in Romanen zu viel zu früh und zu ausführlich erklärt. Solche Texte gehen einem auf die Nerven, „Alles Gute und auf Wiedersehen“ dagegen greift einem ans Herz.

(S E R V I C E - Viola Rohner: „Alles Gute und auf Wiedersehen“, Rotpunktverlag 2014, 192 Seiten, 19,60 Euro)


Kommentieren