Bedrohung aus der Ferne - Indonesiens Furcht vor dem IS

Jakarta (APA/dpa) - Es ist nur ein wenige Minuten langes Filmchen, das in Indonesien für Aufruhr sorgt. Hauptprotagonist ist ein junger Mann...

Jakarta (APA/dpa) - Es ist nur ein wenige Minuten langes Filmchen, das in Indonesien für Aufruhr sorgt. Hauptprotagonist ist ein junger Mann in schwarzem Gewand und passender Kopfbedeckung - umgeben von schwer bewaffneten Kämpfern - der seine indonesischen Landsleute zum Jihad im Ausland aufruft.

Vor allem aber hat das YouTube-Video eine Debatte losgetreten, wie das Land dem Einfluss der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) entgegen tritt.

Die Gruppe, die seit Wochen im Irak auf dem Vormarsch ist, gilt als Urheber des Films. Darin appelliert der als Abu Muhammad al-Indonesi identifizierte Kämpfer an Gewissen und Glauben seiner Zuschauer, es ihm gleich zu tun. „Sind es deine Frau und Kinder, die dich davon abhalten, sich dem Jihad im Namen Allahs anzuschließen? Oder sind es deine Geschäfte, deine Häuser und Reichtum?“ fragt der junge Islamist.

Die Politik ist alarmiert. Schon zuvor hatten sich Präsident Susilo Bambang Yudhoyono, die Minister seines Kabinetts sowie religiöse Führer deutlich gegen den IS (früher ISIS) positioniert und diesen eine Bedrohung für Indonesien genannt.

Rund 88 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Indonesien hat damit die größte muslimische Bevölkerung der Welt - und vor allem bereits Erfahrung mit extremistischer Gewalt. Zwischen 2000 und 2009 wurde das Land von fünf schweren Anschlägen mit rund 250 Toten erschüttert, für die von Al-Kaida inspirierte Islamisten verantwortlich gemacht wurden - darunter die Anschläge von Bali 2002, bei denen 202 Menschen ums Leben kamen.

Zwar hat das Durchgreifen der Regierung militante Gruppen erheblich geschwächt. Doch Experten warnen, dass die Entwicklung im Nahen Osten auch in dem südostasiatischen Land Folgen haben könnte. So stellte das in Jakarta ansässige Institute for Policy Analysis of Conflict (IPAC) im Jänner in einem Bericht fest, dass der Syrienkonflikt, „die Fantasie indonesischer Extremisten in einem Umfang angeregt hat, wie kein ausländischer Krieg zuvor“.

Ähnliches hat auch der Autor und Islamkenner Zuhairi Misrawi beobachtet: „Neben innenpolitischen Faktoren wie Armut, können auch äußere Einflüsse wie der Konflikt in Syrien und der Gaza-Krieg den Extremismus schüren.“ Noch in der vergangenen Woche warnte Präsident Yudhoyono die Indonesier davor, sich an Kämpfen in Syrien oder im Irak zu beteiligen.

Man werde es der Ideologie der Jihadisten nicht gestatten, sich in Indonesien auszubreiten, sagte der für Sicherheit zuständige Minister Djoko Suyanto. „Jeder Versuch der Verbreitung von IS-Ideologie muss gestoppt werden“, sagte er. Die Behörden gehen von gut 50 Indonesiern aus, die in Syrien in Kämpfe verwickelt sind, wie Polizeichef Sutarman erklärte.

Eine „Terrorgruppe“ ist der IS in den Augen von Ali Mustafa Yaqub vom Indonesischen Rat der muslimischen Gelehrten. Der IS benutze den Islam lediglich, umso Unterstützung zu gewinnen, meint Yaqub.

Derweil warnt die „Jakarta Post“ in einem Leitartikel vor dem Verbot der radikalen Ideologie, weil dies in ihren Augen „sinnlos und aufwendig“ sei. „Jede überzogene Antwort auf die Bedrohung durch den IS weist nur auf unseren Mangel an Selbstvertrauen hin“, schrieb die Zeitung jüngst. Und ergänzte: „Die beste Waffe im Kampf gegen die IS-Ideologie ist noch immer Bildung. Starke und zuverlässige Strafverfolgungsbehörden sowie bessere geheimdienstliche Fähigkeiten sollten die Mittel der Wahl sein im Umgang mit der Gewalt, die die IS-Unterstützer möglicherweise in Indonesien planen.“


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