Neuerscheinungen: Schreibender Komponist und forschender Organist

Wien (APA) - Hans Zender ist nicht nur Komponist, sondern auch Vielschreiber - einer, der über seine Profession reflektiert, nicht nur in de...

Wien (APA) - Hans Zender ist nicht nur Komponist, sondern auch Vielschreiber - einer, der über seine Profession reflektiert, nicht nur in der Praxis arbeitet. Der 77-jährige Deutsche legt mit „Waches Hören“ nun eine Sammlung von Essays vor, die zum Teil noch unveröffentlicht sind und das breite Spektrum von Zenders Interessen verdeutlichen.

Im Fokus steht zwar stets die Funktion und die Rolle von Musik im Leben des Menschen, der Zugang dazu ist jedoch mannigfaltig. Mal rückt Zender die kreative Eigenleistung des Zuhörers beim Vortrag ins Zentrum seiner Überlegung mit der Kernthese: „Hören ist immer ein schöpferischer Vorgang“. Mal erkundet er das Verhältnis von Musik und Sprache oder nähert sich Anton Bruckner und Bernd Alois Zimmermann als bewusst Hörender. Dass er dabei nicht im Elfenbeinturm verharrt, zeigt sein Text zur Kulturpolitik samt Plädoyer zur Bewahrung der Rundfunkorchester als Horte der kreativen Vielfalt. Alles in allem ist „Waches Hören“ eine Kulturgeschichte des musikalischen Kunstgenusses in zugänglicher, wenn auch nicht unlyrischer Sprache.

Ebenfalls über Musik reflektiert in seinem neuen Werk Johannes Leopold Mayer, der im Titel die durchaus spannende Frage stellt: „Wozu Musik?“. Der studierte Organist mit langjähriger Erfahrung in der Musikredaktion von Ö1 spürt dabei dem Terminus Gebrauchsmusik ebenso nach wie dem Musikschaffen in der Geschichte der Menschheit. Joseph Haydn, Anton Bruckner, Josquin des Pres, Olivier Messiaen und Dmitrij Schostakowitsch bilden das Quintett an Favoriten, anhand derer Mayer konkrete Beweise für seine Forschungsfrage sucht: Wäre das Leben in seiner vollen Qualität denkbar ohne Musik?

„Das Vordringen zu den tiefsten Tiefen des Brunnens der Erkenntnis ist ein Geduldspiel“, warnt der Autor den Leser - oder besser „die Gemeinschaft der Lesenden“ wie er es nennt - dabei vorsorglich. Und diese Geduld muss man bei der Lektüre leider tatsächlich aufbringen, verbirgt sich der kenntnisreiche Kern der Thesen doch hinter einer gespreizten Diktion, die mit lateinischen Zitaten garniert von Nietzsche zu Kierkegaard, von Seneca zu Augustinus springt und dabei wie ein Text des vorvergangenen Jahrhunderts anmutet. „Musik wird durch Wort - und wie viel noch mehr durch Wörter - ihrer Wirkung beraubt“, heißt es an einer Stelle des Textes im Bezug auf die wirkungsstiftende Kraft von Worten. Dem ist nichts hinzuzufügen.

(S E R V I C E - Hans Zender: „Waches Hören. Über Musik“, Hanser Verlag Edition Akzente, 176 Seiten, 20,50 Euro. Johannes Leopold Mayer: „Wozu Musik? Gedanken und Erwägungen über Notwendigkeit und Brauchbarkeit“, Edition Konturen, 148 Seiten, 24 Euro)


Kommentieren