Salzburger Festspiele: „Orpheus“ als flinker Finger „Django“ im YDP

Salzburg (APA) - Die Idee ist originell: Die Orpheus-Legende im Milieu eines Pariser Revuetheaters der 20er-Jahre. Marktschreierisch, mit Sp...

Salzburg (APA) - Die Idee ist originell: Die Orpheus-Legende im Milieu eines Pariser Revuetheaters der 20er-Jahre. Marktschreierisch, mit Spotlight, rotem Samtvorhang und Livemusik. Der Held: Django Reinhardt mit Gitarre und kübelweise Pomade im Haar. Das Gastspiel des englischen Little Bulb Theatre beim „Young Directors Project“ der Salzburger Festspiele hat trotzdem nur stückchenweise Spaß gemacht.

Die britische Truppe und ihr Regisseur Alexander Scott haben gleich zwei Legenden ins Visier genommen: Zum einen den göttlichen Sänger und seine Eurydike, zum anderen das herzhaft-naive Revuetheater selbst. Da bleibt nur gnadenlose Überzeichnung, Zucker für den Affen bis an die Grenzen zum Klamauk. Und gelegentlich auch deutlich darüber.

Amüsant ist es schon, wie dicke Häschen hoppeln, entzückende Schattenwesen kreischen und die Heldin von einer Schlange in Kindertheater-Manier gebissen wird. Nur die ängstlich gerufenen Warnungen des Publikums sind gestern Abend bei der Premiere im Republic ausgeblieben. Die lodernde Begeisterung auch: Denn das Schmunzeln währte nur kurz, und die Erzählung der Geschichte selbst floss zäh, stockte immer wieder, und die Spaßetteln nützten sich ab. Witze wiederholten sich, und der Kanonendonner der guten Laune machte bald ein wenig taub.

Formal aufgebaut hat Alexander Scott seine mythologische Django-Reinhardt-Revue wie klassische Oper: Ein Stück Handlung und dann eine Musiknummer. Die Schauspieler sind in dieser „Orpheus“-Version auch gleich die Musiker. „Orpheus“ (Dominic Conway) selbst gibt den Zigeuner-Gitarristen mit den flinken Fingern, und „Eurydike“ (Eugenie Pastor) moderiert, singt und spielt die Flöte. „Persephone“ (Tom Penn) spielt Schlagzeug und lässt traurigen Falsett hören, das ist einer der berührendsten Momente dieser Spaßrevue im französischen Stil. Die Halbwesen und Wald- und Wiesengeister spielen Geige, Ziehharmonika und Bass, und einen Brummbären als Klarinette und einen Pianisten gibt es auch noch. Sie alle geben einen flotten Mix aus Jazz, Tanzmusik und Liedchen aller Art, bedienen sich bei Rock und Pop, spielen gut und können, was sie tun.

Für sich gesehen ist die Musik aber doch zu wenig virtuos und berührt nur am Rande. Man kriegt nicht aus dem Kopf, dass Orpheus den Hades und seine Mitbewohner zur größten Ausnahme in der Geschichte bewegt haben soll: Einen Menschen vom Tod zurück ins Leben lassen. Außerdem klingt der große Django Reinhardt im Ohr der Erinnerung. Und da passen immer wiederkehrende fingertechnische Problemchen und gelegentlich krass fehlerhafte Intonation nicht gut ins Klangbild.

( S E R V I C E - Young Directors Project, dritter Teil: „Orpheus“, Gastspiel des Little Bulb Theatre aus England. Regie und Klarinette: Alexander Scott. Musikalische Leitung, „Orpheus“ und „Django Reinhardt“: Dominic Conway. Sounddesign: Ed Clarke. „Eurydike“, Moderation und Flöten: Eugenie Pastor. Clare Beresford: Kontrabass, Miriam Gould: Violine, Shamira Turner: Akkordeon. Tom Penn: Gesang, Schlagzeug und „Persephone“. Charlie Penn: Klavier. Die weiteren Vorstellungen: 13., 14. und 16. August im Republic. www.salzburgfestival.at)


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