Irak-Kämpfe - Internationale Pressestimmen

Bagdad (APA/AFP/dpa) - Internationale Medien kommentierten am Dienstag den Vormarsch der Jihadistengruppe IS im Nordirak sowie die westliche...

Bagdad (APA/AFP/dpa) - Internationale Medien kommentierten am Dienstag den Vormarsch der Jihadistengruppe IS im Nordirak sowie die westliche Reaktion darauf folgendermaßen:

„Liberation“ (Paris):

„Der Bankrott des Irak ist auch der der internationalen Gemeinschaft, die aus Blindheit, Feigheit oder Dummheit seit Jahren Fehler im Nahen Osten anhäuft. Die (kleine) Wallung, die man in Europa und den USA angesichts des Vormarsches der wahnsinnigen Jihadisten im Irak wahrnimmt, wäre in den ersten Monaten des Bürgerkrieges in Syrien willkommen gewesen, vielleicht hätte sie es sogar erlaubt, zehntausende Tote und das Aufkommen des Islamischen Staates zu vermeiden, der sunnitischen extremistischen Bewegung, die heute einen guten Teil der Region bedroht, vom Libanon bis nach Kurdistan. (...)“

„Münchner Merkur“ (München):

„Ob das Problem der IS-Terroristen allerdings mit ein paar Bomben und Raketen zu lösen ist, wie es Obama versucht, scheint zweifelhaft. Wenn die USA weder in die irakischen Machtverhältnisse eingreifen noch Bodentruppen entsenden wollen, während die Russen sich in der Rolle des ewigen Widerparts verhärten, werden die IS-Terroristen weiter genug fruchtbaren Boden finden, auf dem ihre blutige Saat gedeiht. Was bleibt, ist derzeit wenig mehr, als die Kurden trotz türkischer Bedenken mit Waffen zu versorgen - warum nicht auch aus deutscher Produktion! Jene Tagträumer, die immer noch meinen, die Gräuel in Syrien und dem Irak gingen sie nichts an, könnten von den zahlreichen jungen Menschen hierzulande, die sich vom Wahn der Jihadisten faszinieren lassen, brutal geweckt werden.“

„tageszeitung“ (Berlin):

„Bisher wollten die USA die Kurden im Nordirak nicht aufrüsten, um deren Streben nach einem unabhängigen Staat nicht zu befördern und damit die staatliche Einheit des Irak zu gefährden. Doch das spielt jetzt in der Not keine Rolle mehr. Welche unbeabsichtigten Nebenwirkungen dieser Kurswechsel haben könnte, ist aber noch unklar - ebenso, wer genau von der US-Militärhilfe profitieren wird. Denn die Kurden sind in zwei verschiedene Fraktionen gespalten, deren Anführer die Autonomieregion im Nordirak wie Feudalherren unter sich aufgeteilt haben und sich noch in den 90er-Jahren blutige Bruderkämpfe lieferten. (...) Der Kampf gegen die IS-Milizen schweißt sie alle zusammen. Wenn die Karten in der Region neu gemischt werden, könnten sich die innerkurdischen Konflikte auch wieder verstärken.“

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Frankfurt):

„Nur zu beklagen, wie schlimm alles ist, und einige Flüchtlinge mehr aufzunehmen, ist beschämend wenig und atmet sehr den Geist des Heraushaltens. So wie Amerika fühlt sich Berlin denn doch nicht in der Pflicht, gegen drohenden Völkermord vorzugehen. Heraushalten ist dabei nicht an sich falsch, auch unsere Partner streiten darüber. Die Frage ist nur, ob das heute so noch möglich ist. In den Vereinigten Staaten wird Präsident Obama für sein Zögern angegriffen, seine frühere Außenministerin Clinton gibt ihm gar Mitschuld am Vormarsch der Terroristen. Das ist ein schwerer Vorwurf. Die Frage, ob man militärisch in Konflikte eingreifen soll, ist eben keine, die man nebenbei beantwortet. Aber man kommt nicht um sie herum.“


Kommentieren