Türkei-Wahl - Jubel bei Erdogan-Fans in Wien

Wien (APA) - Der Wahlsieg von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bei der Präsidentschaftswahl am vergangenen Sonntag in der Türkei hat a...

Wien (APA) - Der Wahlsieg von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bei der Präsidentschaftswahl am vergangenen Sonntag in der Türkei hat auch bei vielen Austrotürken für Jubel und Freude gesorgt. Bei mehreren Veranstaltungen wurde der „Sultan von Ankara“ ausgiebig gefeiert.

Bereits am Sonntagabend warteten mehrere Wiener Anhänger Erdogans in einem der türkischen Szene-Treffs, dem Restaurant Etap in Wien-Ottakring, mit Spannung auf das vorläufige Ergebnis. „Wir waren ein bisschen beunruhigt, ob es sich im ersten Wahlgang ausgeht, nachdem das mit der Online-Registrierung für die Auslandstürken so in die Hose gegangen war. Aber er hat es - Allah sei Dank - trotzdem geschafft“, meinte etwa der 23-jährige Student Ali C. im Gespräch mit der APA.

Auch am Montag wurde weitergefeiert. In einigen türkischen Teehäusern dominierte Erdogan die Tischgespräche. Dazu gab es Baklava, Tee, Datteln und Kekse. „Das türkische Volk hat sich demokratisch für Tayyip entschieden. Da sehen Sie, was das bedeutet. Das Gesindel von den Gezi-Demonstrationen hat den Kürzeren gezogen“, murmelte ein älterer Herr in Anspielung auf die Proteste der Erdogan-Gegner 2013 in Istanbul zufrieden, und begann, eine Sure des Koran zu rezitieren. Überall herrschte zudem Einigkeit darüber, dass der Islam in der Türkei künftig eine wichtigere Rolle spielen solle und dies sei auch gut, so der Tenor.

Freude über den Wahlsieg des „Sultans von Ankara“, wie Erdogan manchmal genannt wird, gibt es auch bei der UETD (Union Europäischer Türkischer Demokraten) in Wien. Sie sieht sich zwar als NGO, fungiert aber als Anlaufstelle für die eigene türkische Community in Österreich und als Ansprechpartner für Wirtschaftstreibende und Journalisten, die mehr über Österreichs Türken erfahren wollen. De facto gilt sie als ein verlängerter Arm der AKP-Partei Erdogans. Im Juni hatte die UETD Erdogan nach Wien geholt.

UETD-Vorstandsmitglied Hosada Özkilinc meinte im Gespräch mit der APA, dass die Wahl, bei der der Präsident erstmals direkt vom Volk gewählt wurde, nicht nur für die Person Erdogans, sondern für die Demokratiebereitschaft des Volkes wichtig sei.

Außerdem hob sie die Errungenschaften der Ära Erdogan hervor: „Die wirtschaftlich wachsende Türkei hat in den letzten Jahren ein verstärktes Demokratieverständnis bewiesen. Keine andere Regierung hat zuvor Kurdisch als Sprache an Schulen anerkannt. Seit 2009 gibt es den ersten kurdischen Staatssender. Die AK Parti (AKP, Anm.) hat 2011 Entschädigungszahlungen an die in der Türkei lebenden Minderheiten wie Armenier, Griechen und Juden in der Höhe von fünf Milliarden Dollar (3,74 Mrd. Euro, Anm.) eingeleitet und abgeschlossen. Diese Minderheiten haben ihr Eigentum rückerstattet bekommen. Wir sollten diese Schritte im Gesamtbild betrachten“, unterstrich sie.

Empört reagierte die UETD-Sprecherin auf die Frage, ob der Türkei nun eine noch stärkere Islamisierung blühe. Leider werde mit solchen Fragen versucht, einen falschen Eindruck zu hinterlassen. Wenn heute eine kurdische Partei im Parlament sitze, eine Frau mit ihrem Kopftuch studieren dürfe, dann sei das keine Islamisierung, sondern die Anerkennung der Menschenrechte und die Normalisierung des Gesellschaftsbildes der Türkei. Zudem habe die Türkei in den letzten zehn Jahren ihr Selbstbewusstsein neu entwickelt. Nicht nur auf staatlicher Ebene, sondern auch auf Ebene der Bürger, ergänzte Özkilinc.


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