Deutlich mehr Tiroler haben Strom-Anbieter gewechselt

Die Wechselrate unter Tirols Stromkunden ist um 40 % gestiegen. E-Control rechnet heuer mit Strompreis-Schnäppchen durch alternative Anbieter.

Von Max Strozzi

Innsbruck –Tirols Stromkunden hätten an sich eine recht große Auswahl. Rund 20 Anbieter bewegen sich laut dem Tarifrechner des Energieregulators E-Control auf dem Tiroler Strommarkt. Wobei einige Unternehmen mit mehreren Angeboten – etwa einem zusätzlichen Ökostrom-Tarif – auftreten. Heuer haben auch deutlich mehr Tiroler diese Strom-Angebote genutzt und sind umgestiegen. Rund 2300 Tiroler Haushalte und Betriebe wechselten laut E-Control im ersten Halbjahr ihren Stromlieferanten – das sind um 40 % mehr als im Vorjahreshalbjahr. Angesichts von fast 300.000 Haushalten im Land ist die Wechselrate aber gering. „Die Steigerung ist durchaus beträchtlich, allerdings von einem niedrigen Niveau aus. Im Bundesländervergleich wechseln Tiroler sehr selten“, sagt Walter Boltz, Vorstand des Regulators E-Control: „In Tirol gibt es auch keinen wahnsinnig intensiven Wettbewerb, aber es bewegt sich ein bisschen was.“ Der Wechsel zum günstigsten Stromanbieter spart laut Boltz einem Durchschnittshaushalt in Tirol derzeit bis zu 80 Euro im ersten Jahr, und sei es auch aufgrund von Rabatten.

Die Wechselrate werde sich in Tirol aber erhöhen, glaubt der Energie-Experte. „Auch in Tirol wird sich eine Wechselrate zwischen fünf und zehn Prozent etablieren, wie etwa im Mobilfunkbereich“, glaubt Boltz. Bei vielen gebe aber noch eine Hemmschwelle. „Strom soll ein normales Produkt werden, bei dem man keine Angst haben muss zu wechseln, wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis passt.“

In Tirol erwartet Boltz noch heuer einen leichten Preisverfall bei den alternativen Anbietern. „Wenn Kunden im Herbst die Angebote beobachten, können sie die eine oder andere Wechsel-Chance nutzen. Ich gehe davon aus, dass heuer auch in Tirol der Preis bei den alternativen Anbietern um fünf bis zehn Prozent sinken wird“, so Boltz: Grund seien die niedrigen Großhandelspreise. „Der Zeitpunkt für Unternehmen ist derzeit gut, um kurzfristig Strom günstig einzukaufen“, glaubt Boltz. Viel billiger werden die Großhandelspreise aus seiner Sicht allerdings nicht mehr. „Der niedrige Strompreis bringt Unternehmen schon jetzt ins Schnaufen. Laufend werden Kraftwerke abgeschaltet, große Meiler in Deutschland wie auch Gaskraftwerke“, sagt Boltz. Mit Jahreswechsel wird die E-Control erneut die Netztarife für die Netzbetreiber – Strom wie Gas – in Österreich anpassen. „Die Netztarife werden im Wesentlichen stabil bleiben – ein oder zwei Prozent rauf oder runter“, so Boltz.

Auch im Gasbereich haben einige Tiroler zuletzt die neu in den Markt eingetretenen Lieferanten entdeckt. Die Wechselrate legte nach der Gasmarktöffnung und dem Start einiger Tigas-Konkurrenten zu, wenngleich noch auf kaum wahrnehmbarem Niveau. 140 Tiroler Kunden suchten laut E-Control im ersten Halbjahr einen neuen Gasanbieter. Im Halbjahr 2013 – also noch vor der Gasmarktöffnung im Herbst – waren es nur elf. „Die neuen Gas-Anbieter sind noch nicht einmal ein Jahr in Tirol – hier muss man bezüglich Wechselrate noch abwarten.“ Mehr Anbieter als derzeit erwartet Boltz am Tiroler Gasmarkt aber nicht.

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