Steirischer Esoterikexperte besorgt über Burn-out-“Heilsversprechung“

Graz (APA) - Vor der zunehmenden Individualisierung gesamtgesellschaftlicher Probleme durch esoterische Anbieter hat der steirische Sekten- ...

Graz (APA) - Vor der zunehmenden Individualisierung gesamtgesellschaftlicher Probleme durch esoterische Anbieter hat der steirische Sekten- und Esoterikexperte Roman Schweidlenka gewarnt. Indirekt werde damit der Einsatz für gerechte Löhne und gesunde Arbeitsbedingungen untergraben, kritisierte er am Dienstag bei der Präsentation des steirischen Esoterik-Berichtes 2014.

„Sie versprechen, gestresste, genervte oder von Burn-out bedrohte Menschen mittels esoterischer Methoden, Übungen und dergleichen wieder fit für den aufreibenden Arbeitsalltag zu machen“, schilderte der Leiter der steirischen Sekten- und Esoterikberatungsstelle „LOGO ESO.INFO „ die Praktiken von Esoterikanbietern. „Dass erst unfaire Löhne, Leistungsdruck, Arbeitsplatzunsicherheit und die stete Aushöhlung der kollektivvertraglichen Rechte zu psychosozial bedingten Krankheiten und Erschöpfung führen, wird mit keinem Wort erwähnt“, erläuterte der Experte. Indirekt würden dadurch die negativen Entwicklungen der Arbeitswelt legitimiert und die Arbeit von Gewerkschaften und sozial engagierten Menschen, Politikern und Vereinen untergraben.

„In Wirklichkeit kann aber auch der beste Schamane nichts gegen unsichere Arbeitsplätze machen“, betonte Schweidlenka. Auch könnten sich die „Heilsversprechungen“ nur jene leisten, die Geld haben: „Kein Geld - keine Esoterik. Das gilt zumindest für den Mainstream“, verwies er auf den dahinterliegenden kommerziellen Aspekt der Angebote.

Zur Vorsicht mahnte Schweidlenka auch bei Angeboten von kostenlos benutzbaren Räumlichkeiten: Sekten und konfliktträchtige religiöse Gruppen und Organisationen würden neuerdings für NGO und kleine Vereine kostenlose Räume für Programme und Sitzungen anbieten: „Dabei verbessern sie ihr Image und verfügen über ein neues erweitertes Feld der Werbung durch persönliche Kontakte“, schilderte Schweidlenka.

Grundsätzlich sprach er sich für eine Aufklärungsoffensive aus, die auch in Richtung fundamentalistischer, demokratiebedrohender, totalitärer und autoritärer Strömungen und Bewegungen gehen müsste. „Eine verpflichtende Schulung von Lehrerinnen und Lehrern wäre in diesem Zusammenhang absolut wichtig“, so der Experte. Verständnis für diesen Vorschlag erntete der steirische Experte beim steirischen Familien- und Jugendlandesrat Michael Schickhofer (SPÖ). Er werde an die PH Steiermark herantreten, um ein entsprechendes Fortbildungsangebot zu initiieren.

( S E R V I C E - Der steirische „ESO-Jahresbericht 2014“ ist online unter https://www.logo.at/esoinfo/esobericht2014news abrufbar.)


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