Salzburger Festspiele - Stein hält „Fierrabras“-Text für „grauenvoll“

Salzburg (APA) - Peter Stein hält den Text der Oper „Fierrabras“ von Franz Schubert für „grauenvoll“. „Ich habe ihn daher ein wenig bearbeit...

Salzburg (APA) - Peter Stein hält den Text der Oper „Fierrabras“ von Franz Schubert für „grauenvoll“. „Ich habe ihn daher ein wenig bearbeitet, damit die Geschichte verständlicher wird“, sagte der Regisseur am Dienstag beim Pressegespräch in Salzburg. Das Werk ist bei den Festspielen noch nie aufgeführt worden. Zugleich ist die Opernpremiere morgen, Mittwoch, die letzte des Festspielsommers 2014.

„Bei den Proben zu diesem Text von Josef Kupelwieser waren wir ständig damit beschäftigt, nicht in schallendes Gelächter auszubrechen“, erzählte Stein in sichtlich launiger Stimmung. „Das macht sich beim Singen auf der Opernbühne nicht so gut“, so der Regisseur, der von sich sagte, eher als Techniker denn als Künstler an die Inszenierung herangegangen zu sein. „Als Bastlertyp habe ich mich bemüht, zur Beruhigung des Auges zu arbeiten. Schon ganz am Anfang, als Harnoncourt aus dieser Produktion ausgestiegen ist (ausschließlich aus gesundheitlichen Gründen, Anm.), wollte ich die Oper quasi konzertant in Kostümen mit Dekoration machen. Ich habe keine Regieidee vorgeschoben, sondern versucht, auch Kupelwieser behutsam zu behandeln und der Partitur zu helfen“, so Stein.

Der Regie-Altmeister wies darauf hin, dass Friede und versöhnliches Ende in diesem „merkwürdigen Stück“ nur erreicht werden, indem Karl der Große von den Mauren ein Bekenntnis zum Christentum verlangt. „Wenn ich Alevit wäre, dann würde ich deswegen das Haus für Mozart abfackeln. Ja, es ist durchaus gefährlich über dieses Stück nachzudenken“, so Stein, der die Biedermeier-Liebesgeschichte für den „fruchtbarsten dramaturgischen Strang des Stücks“ hält. „Das hat Schubert mehr interessiert als der politische Konflikt zwischen Christentum und Islam. Dort ist auch die Musik am stärksten.“

Dirigent Ingo Metzmacher betonte die herausragende Qualität der Komposition: „Da sind unzählige Juwele drin. Die Oper hat einen ganz eigenen Ton, besonders der Umgang mit Dur und Moll ist einzigartig.“ Auch Festspiel-Intendant Alexander Pereira sagte, „der größte aller Liedkomponisten und der großartige Symphoniker, Franz Schubert, kann nicht so einfach der Verblödung anheimfallen, wenn er diese beiden musikalischen Formen miteinander verbindet.“ Pereira hat drei der elf Opern und Singspiele von Schubert in Zürich gezeigt und auch beim Publikum damit gepunktet. „Man hat mir mit den Schubert-Opern immer wieder Misserfolge prophezeit. Umso mehr freut es mich, dass auch das Salzburger Publikum so neugierig ist. Es gibt gerade einmal für die letzten beiden Vorstellungen noch Restkarten“, sagte Pereira. „Von Anfang an war für mich klar, ich will auch in Salzburg eine Schubert-Oper machen. Diese Festspielpremiere ist mein größtes Geschenk an mich selbst.“

( S E R V I C E - „Fierrabras“, Oper in drei Akten von Franz Schubert nach einem Libretto von Josef Kupelwieser. Regie: Peter Stein, musikalische Leitung: Ingo Metzmacher. Auf der Bühne: Julia Kleiter, Dorothea Röschmann, Marie-Claude Chappuis, Michael Schade, Georg Zeppenfeld, Markus Werba, Benjamin Bernheim und Peter Kalman. Premiere ist am Mittwoch, dem 13. August. Die weiteren Termine: 16., 19., 22., 25. und 27. August im Haus für Mozart. www.salzburgfestival.at)


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