Des einen Freud’, des andern Leid

Stadtbummel statt Schwimmbad, Kaffeehaus statt Klettersteig. Der verregnete Sommer kennt nicht nur Verlierer. Tirols Städte freuen sich über volle Gassen und klingelnde Kassen.

© Andreas Rottensteiner / TT

Von Christoph Mair und Marco Witting

Innsbruck –Der Regen spült Gäste wie Einheimische derzeit in Tirols Städte. Wenn in Schwimmbädern und auf den Bergen nicht viel geht, lockt als Alternative der Bummel durch Gassen und Einkaufszentren. Tiroler wie Touristen machen davon derzeit ausgiebig Gebrauch – nicht nur in Innsbruck.

Hannes Gstrein vom FMZ in Imst berichtet von „sicherlich 50 Prozent mehr Besuchern“ im Vergleich zu einem normalen Wochentag. Schon am Vormittag würden die Touristen aus den Tälern eintreffen und durch das Zentrum flanieren. Ab Mittag, „wenn das Kino startet, merkt man noch einen Zuwachs“. Aber: So erfreulich die Besucherfrequenz auch sei, gleichzusetzen mit Umsatz ist dies noch nicht. „Irgendwann geht sowohl den Einheimischen als auch den Gästen das Geld fürs Shoppen aus.“ Deshalb wünscht man sich zwischendurch auch Schönwettertage. Denn, so Gstrein, dann sei auch die Stimmung besser.

Auch im Innsbrucker Sillpark macht sich das Regenwetter bemerkbar, sagt Marketingleiterin Heidi Trettler, auch wenn sie keine Zahlen nennt. „Momentan ist sehr viel los.“ Das gleiche Phänomen gebe es übrigens auch, wenn es länger heiß sei. Dann wüssten die Besucher die Klimaanlage im Einkaufszen­trum zu schätzen.

Aus den Schwazer Stadtgalerien heißt es, die derzeitige Besucherdichte sei durchaus mit den weihnachtlichen Einkaufstagen vergleichbar. Bis zu einem Drittel mehr an Frequenz in der Festungsstadt Kufstein registriert auch Petra Buchberger, Inhaberin von „Petra Mode“ und Obfrau der Kufsteiner Kaufmannschaft. „Die Stadt ist an diesen Tagen total in Bewegung.“ Unter den Besuchern seien naturgemäß sehr viele Gäste aus dem benachbarten Bayern, die einen Regentag für einen Stadtbummel nutzen. Die Umsatzentwicklung schaue von Tag zu Tag unterschiedlich aus. Erstaunlich für Buchberger: Der allergrößte Teil der Besucher nehme die Wetterlaunen dieses Sommers sehr gelassen, ganz nach dem Motto: Was nützt es, sich vom schlechten Wetter auch noch die Laune verderben zu lassen?

Apropos Laune: Die ist auch in der Münzstadt Hall sehr gut. Nicht nur in der historischen Münze klingeln die Kassen. Auch angesichts der Ergebnisse der elektronischen Frequenzzählung in der Wallpachgasse in der Altstadt lassen TVB-Obmann und Vizebürgermeister Werner Nuding warm ums Herz werden. 130.000 gezählte Personen im Juli bedeuten eine Steigerung von 12 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr. Und die Tourismusinformation sei anders als in anderen Jahren im Sommer durchgehend doppelt besetzt. „Diese beiden Kräfte sind voll beschäftigt“, freut sich Nuding.

Von „wesentlich mehr Frequenz“ auch in der Landeshauptstadt Innsbruck spricht deren TVB-Obmann Karl Gostner gleichzeitig von Betten Tyrler am Marktgraben. Noch würden die Nächtigungszahlen nicht komplett vorliegen. „Aber ich bin sicher, dass sich ein kleines Plus ausgeht“, sagt Gostner. Tage, die mit Regen beginnen und an denen sich das Wetter dann beruhigt, seien für Städte ideal. Dennoch: „Ein bissl Sommer wäre jetzt schon nicht schlecht“, sehnt sich auch Karl Gostner nach mehr Sonnenstunden.


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