Internationale Krisen machen Jenoptik-Vorstand vorsichtiger

Jena (APA/dpa) - Der deutsche Jenoptik-Konzern hat als Reaktion auf internationale Krisen und verschobene Verteidigungsprojekte seine Geschä...

Jena (APA/dpa) - Der deutsche Jenoptik-Konzern hat als Reaktion auf internationale Krisen und verschobene Verteidigungsprojekte seine Geschäftserwartungen für 2014 gedämpft. Die Wachstumsziele seien voraussichtlich nur noch im unteren Bereich der Prognosespanne erreichbar, teilte der Vorstand des TecDAX-Unternehmens am Dienstag in Jena mit.

Bei der Vorlage von Halbjahresergebnissen etwa auf Vorjahresniveau kritisierte Vorstandschef Michael Mertin eine „Kehrtwende in der deutschen Wirtschaftspolitik, die viele Unternehmen irritiert“. Das gelte vor allem für „zunehmende Exportrestriktionen“.

Sie beträfen nicht nur Panzer und andere Waffenexporte. Jenoptik dürfte beispielsweise optische Messtechnik für Kurbel- und Nockenwellen nicht mehr nach Russland liefern, weil sie auch zur Oberflächenvermessung von Waffen eingesetzt werden könnten. Mertin, der Vizepräsident des CDU-Wirtschaftsrates ist, befürchtet, dass sich russische Unternehmen andere Lieferanten für die optischen Systeme suchen.

Der Thüringer Technologiekonzern mit rund 3.500 Mitarbeitern hatte ursprünglich in diesem Jahr beim Umsatz ein Plus von fünf bis zehn Prozent und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) zwischen 55 und 62 Mio. Euro angepeilt. „Nun sind wir bei der Prognose etwas vorsichtiger“, sagte Mertin.

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Finanzvorstand Rüdiger Andreas Günther verwies auf ein Plus beim Auftragseingang im ersten Halbjahr von rund 11 Prozent auf 314,5 Mio. Euro. Er gebe die Sicherheit, dass Jenoptik trotz „schwerer werdender Zeiten“ solide Zahlen vorweisen könne. Insgesamt sei Jenoptik durch den Konzernumbau der vergangenen Jahre krisenfester geworden. „Wir können mit der Situation umgehen“, sagte Mertin.

Der Vorstand erwartet, dass das zweite Halbjahr dynamischer als das erste verläuft. In den ersten sechs Monaten 2014 hatte Jenoptik einen Umsatz etwa auf Vorjahresniveau von 283,2 Mio. Euro erwirtschaftet. Das Betriebsergebnis stieg geringfügig von 23,5 auf 24,0 Mio. Euro. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen 17,9 Mio. Euro nach 17,5 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum.

Jenoptik hat einen Geschäftsbereich Verteidigung und zivile Systeme, dessen Umsatz in der ersten Jahreshälfte von 88,4 auf 80,1 Mio. Euro sank. Geliefert wurden in der Vergangenheit unter anderem auch elektronische Stabilisierungssysteme an Panzer-Hersteller. Der Bereich hat mehrere Standorte in Deutschland, darunter in Wedel bei Hamburg.

Aus dem Militärgeschäft, das wegen der zeitlichen Streckung von Großprojekten Schwankungen unterlegen sei, wolle sich Jenoptik nicht zurückziehen, erklärte Mertin. Allerdings steige der Anteil ziviler Anwendungen beispielsweise für die Luftfahrt. Derzeit liege der zivile Anteil am Spartenumsatz bei etwa 35 Prozent.

Fest hält der Jenoptik-Vorstand am Ziel, bis 2017 ein Umsatzvolumen von rund 800 Mio. Euro zu erreichen. Dafür seien auch kleinere Firmenkäufe geplant.

~ ISIN DE0006229107 WEB http://www.jenoptik.com/ ~ APA300 2014-08-12/14:03


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