Auch mit 70 kein bisschen leise: Multitalent Volker Lechtenbrink

Hamburg (APA/dpa) - Schon als kleiner Bub wollte Volker Lechtenbrink Schauspieler werden. „Ich konnte mir für mich nie etwas anderes vorstel...

Hamburg (APA/dpa) - Schon als kleiner Bub wollte Volker Lechtenbrink Schauspieler werden. „Ich konnte mir für mich nie etwas anderes vorstellen als die Schauspielerei“, sagt Lechtenbrink. Am 18. August wird das Multitalent, das auch als Regisseur, Sänger und Intendant von sich reden machte, 70 Jahre alt wird.

Bereits mit acht Jahren hatte er sich als Sprecher für Kindersendungen im Norddeutschen Rundfunk (NDR) beworben - und wurde prompt genommen. Mit 10 Jahren stand er das erste Mal am Hamburger Schauspielhaus auf der Bühne, begutachtet von niemand Geringerem als Gustaf Gründgens. Der große Durchbruch kam mit 14 Jahren, als er in Bernhard Wickis Antikriegsfilm „Die Brücke“ (1959) einen der sieben Burschen spielte, die kurz vor Kriegsende eine Brücke verteidigen.

„Was kann einem Besseres passieren, als sein Leben lang mit der „Brücke“ identifiziert zu werden?“, sagt Lechtenbrink, der mit seinen langen blonden Haaren, dem grauen Drei-Tage-Bart und der modernen Hornbrille immer noch jugendlich wirkt. „Ich hatte Glück mit meiner Karriere. Irgendwie hat sich stets etwas Neues ergeben“, sagt der Schauspieler mit der markanten, rauchigen Stimme. Nach dem Erfolg mit „Die Brücke“ ging er wenig später, ein Jahr nach der mittleren Reife, vom Gymnasium Johanneum ab, absolvierte seine Schauspielausbildung an der Hamburger Staatlichen Hochschule für Bildende Künste und dem privaten Hamburger Schauspielstudio Hildburg Freese.

Erste Stationen führten ihn nach Hannover, Köln, Berlin, München und immer wieder Hamburg, wo er nach seiner Flucht aus dem ostpreußischen Cranz über Bremen aufgewachsen ist und noch heute lebt. Mit 26 Jahren hatte er bereits rund 60 Bühnen- und 50 Fernsehrollen gespielt. „Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen“, sagt Lechtenbrink. Seine Lieblingsrollen erkenne man daran, dass er sie mehrmals gespielt habe: Den Prinzen von Homburg, des Teufels General, Bleichenwang in „Was Ihr wollt“ und Bruno in „Die Ratten“. „Ich habe alles gespielt: vom Mörder bis zum Liebhaber, vom Verbrecher bis zum Komiker“, sagt Lechtenbrink und lehnt sich entspannt zurück.

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In den 1970er Jahren entdeckte er sein Faible für die Musik und veröffentlichte 1976 seine erste und gleich erfolgreiche Platte „Der Macher“. Längst in der Musikszene etabliert und nach zwölf Langspielplatten, verabschiedete er sich 1989 wieder aus dem Musikgeschäft. Zwischendurch hatte er auch noch drei Musiksendungen moderiert. Dem Theater und auch dem Fernsehen blieb er während all dieser Ausflüge immer treu. Hinzu kam 1995 noch der Job des Intendanten bei den Bad Hersfelder Festspielen, 2004 übernahm er für drei Jahre die Leitung des Hamburger Ernst Deutsch Theaters - die er aber gerne wieder abgab, da ihm „das ganze Organisatorische“ nach eigenen Angaben nicht so liegt.

„Ich war immer so neugierig. Und ich hatte auch Glück. Ich mochte diese Wechsel, damit man nicht in Routine verfällt“, sagt er über seine Vielseitigkeit. Auch in seinem Privatleben geht es recht turbulent zu. Insgesamt viermal war der Schauspieler verheiratet, betont aber gleichzeitig das herzliche Verhältnis zu seinen Ex-Frauen, darunter die Schauspielerinnen Anja Topf und Jeanette Arndt. „Das waren Abschnitte meines Lebens, mit allen verstehe ich mich sehr gut. Wir fühlen uns miteinander verbunden.“

Mit seiner jüngsten Tochter Sophie (22) stand er bereits gemeinsam auf der Bühne, passend zu seinem 70. Geburtstag hat Tochter Saskia (47), eine Drehbuchautorin, ein Stück über sein bewegtes Leben geschrieben. Titel: „Leben, so wie ich es mag“, benannt nach einem seiner erfolgreichsten Songs. Die Uraufführung ist für den 30. Oktober am Ernst Deutsch Theater geplant. „Darin werde ich zum ersten Mal seit 30 Jahren auch wieder singen“, verrät er schmunzelnd.


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