Fußball: Serbe plädierte im Wettskandal-Prozess auf „nicht schuldig“

Graz (APA) - Der Prozess rund um den größten österreichischen Wettbetrug ist am Dienstag im Grazer Straflandesgericht fortgesetzt worden. Be...

Graz (APA) - Der Prozess rund um den größten österreichischen Wettbetrug ist am Dienstag im Grazer Straflandesgericht fortgesetzt worden. Befragt wurde ein serbischer Angeklagter, der angeblich den Kontakt zu Spielern des SV Mattersburg hergestellt hat und mit ihnen Manipulationen vereinbart haben soll. Der Beschuldigte fühlte sich nicht schuldig.

Den zehn Angeklagten, darunter fünf Fußballern, wird vorgeworfen, 18 Bundesliga-Spiele von 2004 bis 2013 zumindest versuchsweise manipuliert zu haben. Nachdem Ex-Spieler Dominique Taboga am zweiten Verhandlungstag geständig war und ausführlich die Abläufe geschildert hatte, kamen die Angaben des am Dienstag befragten Serben nur sehr zögerlich.

Der Beschuldigte, ein Bademeister aus Wien, betonte gleich zu Beginn, er habe mit Manipulationen nie etwas zu tun gehabt. Im Raum standen drei Spiele des SV Mattersburg, die laut Anklage manipuliert werden sollten, was aber nur teilweise gelang. Der Serbe hatte angeblich den Kontakt zu - bisher unbekannten - Spielern des Vereins hergestellt und diese auch bezahlt. „Ich habe damit nichts zu tun, ich habe nichts manipuliert“, blieb der Beschuldigte bei seinen Angaben.

Dass er bei der Polizei vor einigen Monaten noch zugegeben hatte, den Kontakt hergestellt zu haben, war ihm entfallen. „Ich vergesse einiges, weil ich einen Tumor habe“, lautete seine Erklärung. Daraufhin konfrontierte ihn die Richterin mit seinen Angaben. Er sei nach Tirana gefahren, wo auch mutmaßliche Hintermänner des Wettbetrugs waren, dort nahm man ihm sofort den Pass ab und er musste über den Balkon seines Hauses mittels zusammengeknüpfter Leintücher flüchten. „Ich bin noch nicht dazu gekommen, das heute zu erzählen“, meinte er dazu nur.

Der ebenfalls angeklagte ehemalige Profi-Spieler Sanel Kuljic hatte angegeben, der Serbe habe sich mit ihm getroffen, über die Manipulationen gesprochen und ihm auch Geld dafür übergeben. „Das ist eine Lüge“, so der Angeklagte. Am Vortag hatte Ex-Fußballer Dominique Taboga ausführlich geschildert, wie er zusammen mit anderen immer wieder an Spiel-Manipulationen teilgenommen hatte. Teilweise gelang es, das vorher abgesprochene Ergebnis zu erzielen, teilweise nicht. Der 31-Jährige war auf alle Fälle umfassend geständig, er war 2013 selbst zur Polizei gegangen und hatte ausgepackt, nachdem er sich von seinen Partnern bedroht fühlte.

Am Dienstag wurde er nochmals gefragt, außerdem wurde ein Video vorgeführt, in dem Taboga einem der Angeklagten und angeblichen Kontaktmann zu den Drahtziehern des Wettbetrugs bestätigte, dass er bei ihm 50.000 Euro Schulden habe. Die Drohungen der Hintermänner standen immer im Raum , so Taboga. Er fürchtete einerseits um die Sicherheit seiner Familie, andererseits auch, dass die Manipulationen dem Verein oder der Öffentlichkeit bekannt gemacht würden.

Der Prozess wird am Mittwoch um 9.00 Uhr fortgesetzt.


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