Jubel und Lyrik des späten Bach

Innsbruck – Festwochen-Leiter Alessandro De Marchi steht dieser Tage mitten in den Aufführungen von Georg Friedrich Händels Oper „Almira“ un...

Innsbruck –Festwochen-Leiter Alessandro De March­i steht dieser Tage mitten in den Aufführungen von Georg Friedrich Händels Oper „Almira“ und schob dazwischen Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe ein. Mit seinen Ensembles penibel vorgeprobt, aber ein Kraftakt sondergleichen für alle. Unter dem Fest­wochenmotto „1685“ stand so das gebündelt­e Komponierwissen des 19-jährigen Händel unmittelbar neben dem letzte­n Werk Bachs.

Seine größte Missa brevis, bestehend aus Kyrie und Gloria, und die gewaltigste seiner Sanctus-Kompositionen hat Bach zu einer Zeit, da seine körperlichen Kräfte abnahmen, durch ein Credo und ab dem Osanna durch Benedictus und Agnus Dei zu einer vollständigen Mess­e erweitert. Was ihn dazu veranlasste, ist Gegenstand von Hypothesen. Fest steht, dass die Messkomposition seit Dufay, Josquin und Palestrina als die anspruchsvollste Kompositionsart galt. Bach griff für seine Ergänzungen großteils auf eigene frühere Kirchenmusik zurück – aus lutherischem Geist entstand eine Messe in katholischer Tradition, die den Rahmen einer liturgischen Aufführung bei Weitem sprengt.

De Marchi sorgte am Mittwoch in der Stiftskirche Wilten ebenso für die verherrlichenden und jubelnden Elemente dieses grandiosen Opus magnum wie für Gemessenheit und Licht. Prägend waren die akribisch herausgearbeiteten Stimmungswechsel, die zu Grunde liegende Emphase, der tänzerische Schwung, den er bis in eine atmende Lyrik mit hinein nehmen konnte (Qui tollis), Details wie die überraschenden Sanctus-Wellen des Chores.

Auch diesmal brauchte das Orchester der Academia Montis Regalis eine Eröffnungsphase, um zu seiner Form zu finden, dann spielte es, vor allem in den Soli, seine Qualität aus, die gerade auch in der Klangcharakteristik der Stimmung und der Schönheit des alten Instrumentariums liegt. Der quantitativ ausgewogene Chor der Academia bewies mit hoher Konzentration und enormem Einsatz große Form. Als Solisten waren Jakob Huppmann, David Szigetvari und Marcell Bakonyi sehr gut, die Sopranistinnen Marie-Sophie Pollak und Ruby Hughes sehr zart besetzt. (u.st.)

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