Russen tragen Putin: Personenkult um Präsidenten

Souvenirverkäufer und Designer leben gut vom Personenkult um den im Westen ungeliebten Staatschef.

Von Ulf Mauder/dpa

Moskau – Bis zu drei Stunden warten Russen jeden Alters im Moskauer Nobelkaufhaus GUM auf ein T-Shirt mit dem Porträt von Präsident Wladimir Putin. Die neue Kollektion der russischen Designer Anna Jefremowa und Iwan Jerschow verkauft sich so, als gehe es darum, Putin selbst zu retten. 15 Variationen stehen zur Auswahl.

1200 Rubel (25 Euro) kostet das Stück: Putin auf dem Pferd mit der Aufschrift „Nas ne dogonjat!“ („Wir sind nicht einzuholen!“) - einem Hit der Popband Tatu; Putin auf der von Russland im März annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim mit Sommercocktail in der Hand; Putin mit der Aufschrift „Der netteste aller Menschen“.

Auch Mickey Rourke kauft Putin-Shirts

Selbst US-Schauspieler Mickey Rourke legt sich beim Einkaufsbummel mehrere Exemplare zu. Während sich der russische Präsident im Westen mit einem „Brandstifter“ oder sogar mit dem Nazi-Diktator Adolf Hitler verglichen sieht, treibt der Personenkult um ihn im eigenen Land immer neue Blüten.

Auch US-Actionheld Steven Seagal und der französische Mime Gerard Depardieu fliegen ein, um Putin in schweren Zeiten den Rücken zu stärken. Seagal singt auf der Krim, Depardieu sagt bei einem Filmfest in Wyborg im Norden Russlands laut Medienberichten, dass er Putin liebe.

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Fernsehen sendet kein kritisches Wort über Staatschef

In diesem August ist der 61-jährige Putin seit 15 Jahren in Regierungsämtern – und auf dem Zenit seiner Macht. Die Zustimmung liege aktuell bei 87 Prozent, teilt das Meinungsforschungsinstitut Lewada in Moskau mit. Noch im Jänner waren es 65 Prozent gewesen. Dabei spielt freilich immer eine Rolle, dass das vom Kreml gesteuerte Staatsfernsehen kein einziges kritisches Wort über Putin sendet und schon gar keine Opposition zu Wort kommen lässt.

Die Modedesigner Jefremowa und Jerschow erklären die momentane Super-Popularität Putins aber mit vielen russischen Erfolgen, wie die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag schreibt. Sie nennen den Triumph der russischen Sportler bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi im Februar, den Krim-Anschluss im März und den Sieg bei der Eishockey-Weltmeisterschaft im Mai als Beispiele.

Viele Russen schätzen zudem an ihrem Präsidenten, dass er dem Westen – und besonders den USA – im Ukraine-Konflikt Paroli bietet. Das Bild, das die Staatsmedien zeichnen, ist das eines mutigen Kämpfers. Es ist ein Bild von Putin, der sich trotz westlicher Sanktionen und wirtschaftlicher Nachteile für das eigene Land für die russischsprachige Bevölkerung im Osten der Ukraine einsetzt.

Schicksal Putins entscheidet sich mit Ukraine-Krise

Dabei betonten viele Politologen seit Monaten, dass sich in dem schwersten Konflikt mit dem Westen seit dem Kalten Krieg das Schicksal Putins entscheide. Das Risiko ist groß.

Russland warte auf einen „unerwarteten Zug“, eine „politische Finte“ von Putin, meint der Politologe Nikolai Slobin. „Viele in der Welt sind überzeugt, dass der russische Anführer in einer tiefen politischen Falle sitzt, aus der es kein gutes Entrinnen gibt“, sagt Slobin. Auf dem Präsidenten laste nun die Hoffnung, den Konflikt zu lösen. Es sei schließlich Putins „Markenzeichen“, mit „Unberechenbarkeit“ alle am Ende zu überraschen. Und Russland wartet.

Putin zu Regierungsgeschäften auf der Krim

Für gewöhnlich sehen die Russen ihren Präsidenten im Sommer auf Fotos beim Angeln mit freiem Oberkörper oder beim Schwimmen oder als engagierten Tierschützer. Doch in diesem August ist alles anders. An diesem Mittwoch und Donnerstag wird Putin zu Regierungsgeschäften auf der Krim erwartet - auf jenem Gebiet, das die Ukraine weiter als ihr Territorium ansieht. Mit einer Deeskalation in dem Konflikt ist daher kaum zu rechnen.

Auf mehreren T-Shirts im Moskauer Kaufhaus GUM ist der Präsident, der Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist, in Tarnfleckuniform zu sehen. Und auch im Alltag entgehen vielen Russen nicht die zunehmend militanten Signale. Die zahlreichen Manöver, die trainingsweise Einberufung von Reservisten, Panzerplakate in der Metro, die Zahl der Kriegsfilme im Fernsehen - und nun noch die Sommer-T-Shirts mit Putin in Uniform. Seine Umfragewerte sprechen für großes Vertrauen - auch für einen möglichen russischen Einmarsch in der Ukraine. (APA/dpa)


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