Für Alm-Frühchen gaben Retter in Osttirol ihr Letztes

Der Einsatz wegen der Geburt eines Frühchens im Lesachtal verlangte den Rettern einiges ab. Es hat sich gelohnt: Der Zustand des Kleinen ist stabil.

Von Catharina Oblasser

Kartitsch – Selbst die längst dienenden Bergretter im Osttiroler Lesachtal können sich nicht an einen ähnlich fordernden Einsatz wie jenen am Dienstag in Kartitsch erinnern: Die schwangere 30-jährige Hüttenwirtin der Filmoorhütte am Karnischen Kamm bekam plötzlich Wehen – viel zu früh, denn das Baby sollte erst in einigen Monaten auf die Welt kommen. Weil das Wetter so schlecht war, konnte sie nicht mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden. Dass die Mutter und ihr kleiner Sohn trotzdem zu Tal und danach ins Krankenhaus gebracht werden konnten, verdanken sie den vielen Bergrettern, Ärzten, der Flugrettungscrew und anderen freiwilligen Helfern.

„Alarmiert wurden wir um 7.15 Uhr“, erzählt Einsatzleiter Gerhard Figl von der Bergrettung Obertilliach. Ein Bergetrupp von fünf Mann stieg zur auf 2350 Metern Seehöhe gelegenen Filmoorhütte hinauf, um die werdende Mutter auf einer Trage zu Tal zu bringen. Doch der weite Weg war zu beschwerlich für sie, und so mussten die Retter im so genannten Weitenstall auf etwa 2100 Metern haltmachen. Die Räume, die sonst dem Hirten als Unterkunft dienen, wurden zur Geburtenstation umfunktioniert. „Ein glücklicher Zufall war, dass zwei Ärzte, darunter Kinderarzt Andreas Totschnig, gerade Station auf der Filmoorhütte machten, weil sie wandern waren“, sagt Figl. Diese unterstützten die Retter, später kamen noch eine Gynäkologin und ein Bergrettungs- und Kinderarzt des Spitals Lienz, Josef Burger, dazu. „Wir waren alle bis auf den letzten Fleck durchnässt, weil es so stark regnete“, schildert Figl. Dennoch gaben alle mehr als ihr Bestes, sagt er. „Die Zusammenarbeit aller Beteiligten war einfach herausragend“, meint Figl. Dabei seien die Gegebenheiten denkbar ungünstig gewesen, schildert Burger. „Oben gab es weder Strom noch Licht. Akkus mussten hinaufgetragen werden, ebenso alle medizinischen Materialien.“

Gegen 18 Uhr erblickte schließlich der kleine Bub im Weitenstall das Licht der Welt. Kurz danach tat sich ein kurzes Wetterfenster auf, der ÖAMTC-Hubschrauber konnte Mutter und Baby ins Krankenhaus Lienz bringen.

Kinderarzt Burger spricht von einer „extremen Frühgeburt“, da es sich erst um die 24. Schwangerschaftswoche handelt. Zuletzt sei der kleine Bub „stabil“ gewesen, so Burger. Noch in der Nacht wurde das Baby in die Neonatologie des Krankenhauses Villach gebracht.

Auch Krankenhaus-Sprecherin Kerstin Wrussnig sprach gestern von einem „stabilen Zustand“ des Kleinen. Man müsse nun die nächsten 72 Stunden abwarten, sagte sie. Die Mutter ist laut Andreas Mayr vom Lienzer Spital wohlauf.


Kommentieren


Schlagworte