Medizinischer Rat auf Draht

Mit Mednavi soll im kommenden Jahr ein medizinisches Beratungstelefon geschaffen werden. Ziel ist, mit qualitätsgesicherter Information Dr. Google den Rang abzulaufen.

Von Theresa Mair

Innsbruck –Wer etwas wissen will, schaut zuerst im Internet nach. Google hat auf jede Frage eine Antwort. Ob die immer richtig ist? Das steht auf einem anderen Blatt. Was medizinische Fragen anbelangt, soll daher künftig eine neue Medizin-Hotline namens Mednavi Dr. Google Wind aus den Segeln nehmen.

Am 30. Juni hat die Bundeszielsetzungskommission, in der Vertreter von Bund, Ländern und Sozialversicherung sitzen, die Einrichtung eines 24-Stunden-Telefonberatungsdienstes beschlossen. Pilotprojekte in Vorarlberg, Niederösterreich und Wien sollen in Kürze an den Start gehen. Im Laufe von 2015 soll das Beratungstelefon dann bundesweit klingeln. „Es ist davon auszugehen, dass sich Ministerien, Länder und Sozialversicherung die Kosten teilen. Es ist schon geplant, dass die Nummer kostenlos für den Anrufer ist“, sagt Dieter Holzweber, Pressesprecher des Hauptverbands der Sozialversicherungen.

Qualitätsgesicherte medizinische Erstinformation an Anrufer weiterzugeben, stehe bei dem Projekt im Vordergrund. Eine Erhebung der GfK-Austria unter 4000 Österreichern habe zwar ergeben, dass weitaus der größte Teil der Befragten medizinische Erstinformation im Internet einhole. Dennoch würden sich die Menschen Information wünschen, die „mit einem staatlichen Prüfsiegel“ versehen sei.

Bei Mednavi werde geschultes, medizinisches Personal eingesetzt, welches Anrufe zu allen gesundheitlichen Beschwerden entgegennehmen wird. Der Anrufer soll nach einem bestimmten Schema abgefragt werden. Mednavi ist laut Holzweber dafür gedacht, Ratschläge zu erteilen – nicht aber, um Rezepte auszustellen. Er kann sich vorstellen, dass Mednavi gerade für Landärzte im Bereitschaftsdienst eine Entlastung sein könnte.

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Für Ärztekammer-Präsident Artur Wechselberger steht und fällt das Projekt mit der Beratungsqualität: „Es kommt darauf an, wer am anderen Ende der Leitung sitzt. Idealerweise sind es Ärzte oder Praxispersonal mit unmittelbarem Zugang zu Ärzten. So, wie es in den Ordinationen bereits gang und gäbe ist“, sagt er.

Zu begrüßen sei ein qualifizierter ärztlicher Ansprechpartner rund um die Uhr, der auf erprobte Abfragesysteme zurückgreifen kann und imstande ist, eine qualitätsvolle Konsequenz aus den Darstellungen des Anrufers zu ziehen. Überdies sei ein Telefonat der Internetsuche „ganz klar allein schon wegen der Unmittelbarkeit am Telefon immer vorzuziehen. Es ist zeitnah und man kann Fragen stellen. Doch kommt es auf den kompetenten Ansprechpartner an“, erklärt Wechselberger die Vorteile.

Beim Aufbau von Mednavi will sich Österreich am Schweizer Vorbild Medi24 orientieren. Im Nachbarland gibt es bereits seit 1999 eine Medizin-Hotline. Pflegefachfrauen mit mindestens zehnjähriger Praxiserfahrung führen dort anhand vom Computer vorgegebener Fragen durch die Gespräche, an deren Ende eine Behandlungsempfehlung gegeben werde, erklärt Lebrecht Gerber, Betriebsleiter von Medi24. In Ausnahmefällen würden auch Rezepte ausgestellt.

„Durchschnittlich wickeln wir im Monat rund 25.000 Anrufe ab. Häufigste Anfragen sind Fieber, Grippe, Rückenschmerzen und Telefonate mit besorgten Eltern. Unser Service wird zudem sehr geschätzt, wenn Kunden im Ausland sind und sie dort nicht zu einem Arzt gehen können oder wollen“, sagt Gerber. Rund 65 Prozent aller Anrufer könne ihm zufolge eine Selbstbehandlung empfohlen werden, obwohl die Anrufer ursprünglich eigentlich zum Arzt gehen wollten. 81 Prozent der Kunden, die den Notdienst rufen wollten, hätten nach der Konsultation auf einen kostengünstigeren Behandlungspfad gewechselt. Das Gesundheitssystem erspare sich durch die Dienste von Medi24 jährlich Kosten im hohen einstelligen Millionen-Franken-Bereich.


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