Die Katze landet im Kochtopf: Zum Bier ein „Kleiner Tiger“

Vietnamesen bevorzugen Katzenfleisch als Vorspeise oder Delikatesse - und geben dafür bis zu 52 Euro pro „Stück“ aus. Indes haben Katzenbesitzer Angst um ihre Tiere.

© dpa/Jens Büttner

Von Cat Barton

Hanoi – Frittiert in Knoblauch, gebraten, gekocht: In Vietnam steht in vielen Lokalen Katzenfleisch auf der Speisekarte. Vor allem als Vorspeise, als „Little Tiger“-Snack zum Bier, servieren etwa ein Dutzend Restaurants in der Hauptstadt Hanoi Hauskatzen als Delikatesse.

„Es ist was Neues, sie wollen es probieren“

Obwohl der Konsum von Katzenfleisch - wegen der Rattenplage und offenbar nicht wegen tierschützerischer Überlegungen - in dem südostasiatischen Land verboten ist, leben Haustierhalter in ständiger Sorge. Angeboten wird Katzenfleisch zum Beispiel in einem schlichten Lokal im Zentrum Hanois: Zuerst wird das Tier ertränkt, dann rasiert, abgesengt, in Stücke gehackt und angebraten. „Viele Leute essen Katzenfleisch. Es ist was Neues, sie wollen es probieren“, sagt der 35-jährige Wirt To Van Dung. „Einige glauben, dass es Glück bringt, wenn man bei Neumond Katze isst. Mit Hundefleisch ist das anders. Das isst man bei Vollmond.“

Probleme mit den Behörden habe er nie bekommen, sagt Dung. Die Katzen kaufe er von örtlichen Züchtern und Katzenhändlern. Aufgrund der hohen Nachfrage werden die Tiere manchmal sogar aus Thailand oder Laos eingeschmuggelt. Wenn viel los ist, bedient Dungs Restaurant täglich bis zu hundert Kunden. „Ich weiß, dass Sie in den USA und Großbritannien keine Katzen essen“, sagt Gast Nguyen Dinh Tue. „Aber hier tun wir das. Ich töte die Katzen nicht. Doch dieses Lokal bietet Katzenfleisch an, und ich esse es gern.“

Historische Hintergründe

Auch sonst haben Vietnamesen manche kulinarischen Vorlieben, die in anderen Ländern undenkbar sind. Hundefleisch etwa ist an jeder Ecke zu haben. Für Hoang Ngoc Bau, einen der wenigen ausgebildeten Tierärzte in Hanoi, hat dies historische Gründe. „Das Land war einmal sehr arm, und wir hatten einen langen Krieg. Wir aßen alles, was wir konnten, um am Leben zu bleiben. Insekten, Hunde, Katzen, sogar Ratten, es wurde zur Gewohnheit.“ Er selbst isst kein Hundefleisch, weil ihn sein Vierbeiner in der Kindheit vor einer giftigen Schlange rettete. „Von da an stand ich in der Schuld der Hunde und wurde Tierarzt“, sagt der 63-Jährige.

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Aufgrund des gesellschaftlichen Wandels in dem einst streng kommunistischen Land entdecken viele Vietnamesen inzwischen auch ihre Tierliebe, doch alte Essensgewohnheiten halten sich hartnäckig. „Niemand züchtet Hunde und Katzen zum Schlachten“, glaubt Tierarzt Bau. „Also wurden fast alle Tiere der Restaurants eingefangen und gestohlen.“

Nachfrage steigt jährlich

In den Straßen sind frei herumlaufende Katzen daher rar, die meisten Besitzer halten die Katzen im Haus oder leinen sie an. Phuong Thanh Thuy besitzt ein Restaurant für Hundefleisch in Hanoi. Katzen hält er nur wegen der Ratten, doch immer wieder werden sie gestohlen. „Es schmerzt, wenn wir eine Katze verlieren, weil wir viel Zeit mit der Aufzucht verbringen“, sagt sie. Eine Sensibilisierungskampagne von Tierschützern in Vietnam blieb bisher ohne großen Erfolg.

Le Ngoc Thien ist Chefkoch in einem Restaurant für Katzenfleisch in Hanoi. „Als ich hier angefangen habe, war ich überrascht, wie viele Leute Katze essen“, sagt er. Die Nachfrage steige von Jahr zu Jahr an. „Katzenfleisch ist besser als Hundefleisch, es ist süßer, zarter.“ Umgerechnet mehr als 30 Euro pro Stück kosten die Tiere, zubereitet bis zu 52 Euro. Auch Thien hält ein Kätzchen als Haustier - doch sobald es ausgewachsen ist, wird es in die Pfanne kommen, sagt er. (APA/AFP)


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