Maßgeschneidert: Der Sound von The National saß bei Wien-Show perfekt

Wien/Cincinnati (Ohio) (APA) - Die Performance von The National am Dienstagabend in Wien saß fast so perfekt wie der Anzug von Sänger Matt B...

Wien/Cincinnati (Ohio) (APA) - Die Performance von The National am Dienstagabend in Wien saß fast so perfekt wie der Anzug von Sänger Matt Berninger: Die US-Indie-Pop-Band spielte sich gediegen, aber nicht zu glatt, durch eine repräsentative Auswahl ihrer Songs, untermalt von einer gestylten, aber nicht alles verschluckenden Show aus Lichteffekten und Visuals. Nur einmal war kurz die Luft draußen.

Es gehört schon was dazu, mehr als 3.000 Leute zu einem tiefdunklen Lied wie „Afraid Of Everyone“ zum Tanzen und Mitklatschen zu bringen. The National verpacken die oft melancholischen und traurigen Texte über gebrochene Beziehungen, Versagensängste und persönliche Charakterschwächen ja auch geschickt in Arrangements, die den Songs an vielen Stellen die Schwermut nehmen. Live klingt alles mittlerweile noch eine Spur kantiger und kraftvoller.

Mit „Don‘t Swollow The Cup“ und „I Should Live In Salt“ standen zu Beginn zwei Stücke aus dem im Vergleich zum Vorgänger „High Violet“, der der Formation aus Ohio den ganz großen Durchbruch bescherte, doch rauer wirkenden aktuellen Album „Trouble Will Find Me“ am Programm. Die Darbietung dieser Stücke und die Reaktion der Fans in der Arena beim regenfreien Open Air dokumentierte, dass The National wieder alles richtig gemacht haben: nämlich innerhalb ihres Sounds eine Veränderung, um nicht in ihrem Stil gefangen zu bleiben.

Ziemlich weit vorne platzierte man den großen Hit „Bloodbuzz Ohio“ in einer brodelnden Version, gefolgt von einem druckvollen, stellenweise sogar harten „Sea Of Love“. Berninger weiß zwar nicht, was er auf der Bühne tun soll, wenn er nicht gerade das Mikro festhält, aber mit seiner Baritonstimme kann er alles: ebenso souverän gegen sich auftürmende Gitarrenwände ansingen wie sanft über Bläser-Klänge schweben, schreien („Squalor Victoria“) oder am Ende stromlos a capella mit Support-Act Sharon Van Etten im Duett („Vanerlyle Crybaby Geeks“) große Emotionen wecken.

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Über die Zusammensetzung des Programms sagte der Frontman im APA-Interview: „Aaron (Dessner, Multiinstrumentalist und Hauptsongschreiber; Anm.) kümmert sich jeden Abend um die Setlist, und ich erheben so gut wie nie Einspruch. Er denkt sich viel dabei und ändert einiges, aber am Ende hat man dann doch die zehn, 15 Songs, die man regelmäßig spielt. Je nach Dauer des Konzertes kommen dann noch etwa zehn andere dazu.“ Gestern hatte Dessner mit den 22 ausgewählten Nummern gute Vorarbeit geleistet, nur knapp vor den Zugaben klangen The National etwa drei Stücke lang ein bisschen monoton. Das Finale inklusive „Terrible Love“ machte das locker wett.


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