Märchenfiguren im Versuchslabor Paris

Innsbruck – Agnès Jaoui und Jean-Pierre Bacri waren bereits Stars des französischen Kinos, als sie sich 1992 entschlossen, privat und als Au...

Innsbruck –Agnès Jaoui und Jean-Pierre Bacri waren bereits Stars des französischen Kinos, als sie sich 1992 entschlossen, privat und als Autoren ein Team zu bilden. Für Alain Resnais adaptierten sie Alan Ayckbourns Theaterstück „Smoking/No Smoking“ und gewannen den César für das beste Drehbuch. 1997 bescherten sie Resnais mit ihrem Skript „Das Leben ist ein Chanson“ den größten kommerziellen Erfolg seiner Laufbahn. Das war ein günstiger Zeitpunkt, einen eigenen Kino­feinkostladen zu eröffnen. Jaoui führte Regie und ihr erster Film hieß dann auch 2000 „Lust auf anderes“.

Für ihren vierten Film „Unter dem Regenbogen“ variieren Jaoui und Bacri das Konzept von „Das Leben ist ein Chanson“, indem sie die Figuren aus bekannten Volksmärchen im brodelnden Versuchslabor Paris aussetzen. Es gibt den König, die Prinzessin, die böse Stiefmutter, den Wolf und über allem die Sehnsucht nach dem Glück.

Agnès Jaoui ist die Schauspielerin Marianne, die mangels Engagement mit Kindern Märchenstücke einstudiert. Darunter sind auch die beiden Kinder der Lebensgefährtin des Fahrschulbetreibers Pierre (Jean-Pierre Bacri), der unter Depressionen leidet. Die haben auch damit zu tun, dass ihm eine Wahrsagerin den Zeitpunkt seines Todes verraten hat. Sein Sohn Sandro (Arthur Dupont) ist das Objekt der Begierde für Laura (Agathe Bonitzer), die als Tochter eines mächtigen Industriemagnaten von diesem armen und vom Erfolg nicht verwöhnten Komponisten experimenteller Musik träumt. Geschmeichelt übersieht Sandro die Zuneigung der selbstlosen Cellistin seines Studentenorchesters. Lauras Eltern halten Sandro für einen Kellner. Marianne, die alle Märchenfäden in der Hand hält, ist zufällig auch Lauras Tante. Andererseits ist ihre Wohnungsnachbarin jene Cellistin, die Sandros Glück sein könnte. Die Saat des Märchens geht auf. Auch stilistisch hält Jaoui ihrem Lehrmeister Alain Resnais die Treue. (p. a.)

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