Innsbrucker Festwochen: De Marchi führte „Almira“ in lichte Höhen

Innsbruck (APA) - Der Auftakt zu den heurigen Innsbrucker Festwochen der Alten Musik geriet mit der Barockoper „Almira“ von Georg Friedrich ...

Innsbruck (APA) - Der Auftakt zu den heurigen Innsbrucker Festwochen der Alten Musik geriet mit der Barockoper „Almira“ von Georg Friedrich Händel zu einem Triumph für den am Dirigentenpult stehenden Künstlerischen Leiter des Festivals, Alessandro De Marchi, und seiner Academia Montis Regalis. De Marchi und seine Musiker ernteten nach der rund dreistündigen Aufführung begeisterten Applaus und Jubel.

Die Virtuosen an den Instrumenten stellten an diesem Dienstagabend im Tiroler Landestheater das Sänger-Ensemble auf der Bühne ein wenig in den Schatten, das mit dem Dargebotenen zwar einen künstlerischen „Arbeitssieg“, aber keinen überwältigenden Erfolg errang. De Marchi versteht es, dem turbulenten Liebesreigen um die zur Königin gekrönte Almira einen bunten Klangteppich zu unterlegen, der sich einmal zurück- und im nächsten Moment wieder an Intensität zunimmt. Donnernde Pauken und eindringlich prägnante Trompeteneinsätze sorgte für Abwechslung und Effektmaximierung.

Die Inszenierung der niederländischen Regisseurin Jetske Mijnssen weist einen deutlichen Qualitätsunterschied zwischen dem ersten und zweiten Teil auf. Während in ersterem die Spannung noch an ständiger Ausbaufähigkeit leidet, dreht sich das immerwährende und zeitlose Karussell der (Liebes-)Gefühle im zweiten Teil auch in der szenischen Umsetzung furios, leidenschaftlich und fesselnd. Als örtlicher Mikrokosmos des Werks fungiert eine sich häufig kreisende, hölzerne Palast-Konstruktion als eine Art Liebeslabyrinth, in der nicht nur die gekrönte kastilische Königin Almira in ihrer Einsamkeit verzweifelt, sondern sich alle Protagonisten darin verlieren.

Genial ist Mijnssens Entscheidung, den Narren Tabarco von drei jungen Mädchen in weißen Kleidern mit Engelsflügeln singen zu lassen. Stets in das Geschehen eingreifend, sorgen sie dafür, dass das Labyrinth der Liebe sich letztlich auflöst.

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Die Geschichte der Oper, die Händel mit blutjungen 19 Jahren komponierte, handelt von der zur Königin gekrönten Almira, die einen Nachkommen ihres Ratgebers Consalvo heiraten soll. So hatte es ihr Vater in seinem Testament verfügt. Doch ihr Herz gehört schon ihrem Sekretär Fernando, einem Findling, den sie heimlich liebt. Plötzlich werben diverse Herren um die junge Königin und es entspinnt sich ein Liebesreigen zwischen Melancholie und Macht. Dieses ewige Spiel um die Liebe mit all seinen Gelüsten, Irrungen und Wirrungen, Dramen, Eifersüchteleien und Intrigen bringt das Ensemble glaubhaft über die Rampe des Landestheaters. Blieben die Sänger anfangs ein wenig blass, wuchsen sie mit zunehmender Spielzeit in ihre Rollen und füllten sie großteils aus. Vor allem Melissa Petit als Edilia überzeugte auf ganzer Linie - darstellerisch und gesanglich schraubte sie sich meisterhaft empor. Almira-Darstellerin Klara Ek reihte sich dicht dahinter ein. Wohltuend lustvoll-witzig agierte Wolf Matthias Friedrich in der Rolle des alten Consalvo. An der richtigen Positionierung in der Stimme mangelte es mitunter bei Viktor Rud als Fernando. Alles in allem eine grundsolide Ensemble-Leistung, die - trotz gelegentlicher Schwächen - ein wesentliches Mosaik in einem mehr als gelungenen Opernabend bildete.

(S E R V I C E - „Almira - Königin von Castilien“, Oper in drei Akten von Georg Friedrich Händel. Alessandro De Marchi (Musikalische Leitung), Jetske Mijnssen (Regie), Ben Baur (Bühnenbild und Kostüme), Klara Ek (Almira), Melissa Petit (Edilia), Wolf Matthias Friedrich (Consalvo), Manuel Günther (Osman), Viktor Rud (Fernando). Tiroler Landestheater, weitere Aufführungen am 14. August, 19 Uhr und 16. August, 16 Uhr, Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, Karten: 01 / 88 0 88, http://www.altemusik.at)


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