Gefälschte Krebsmittel: Kein Hinweis auf Schäden in Österreich

Wien (APA) - In Österreich ist bisher kein Schaden für Krebspatienten infolge der Affäre rund um gefälschte Krebsmittel, welche in Europa im...

Wien (APA) - In Österreich ist bisher kein Schaden für Krebspatienten infolge der Affäre rund um gefälschte Krebsmittel, welche in Europa im Frühjahr in die legale Lieferkette gelangt sind, nachweisbar. Das ist das Fazit der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der FPÖ zu diesem Thema durch Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ).

Ab 18. Mai waren auch in Österreich aus Italien Informationen über das Auftauchen gefälschter Krebsmedikamente wie „MabThera“ und „Avastin“ eingetroffen. In die legale Lieferkette waren sie über Parallelimporteure gelangt, welche solche Medikament in den Ländern mit den geringsten Preisen aufkaufen, umpacken und dann in Staaten mit höheren Preisen weiterverkaufen.

FPÖ-Nationalratsabgeordneter Walter Rauch und weitere Mandatare hatten dazu eine parlamentarische Anfrage an das Gesundheitsressort gerichtet. Einige der für Fälschungsinhalt infrage kommenden Chargen der betroffenen Arzneimittel waren offenbar auch nach Österreich gegangen. Die Auslieferung erfolgte über den Grazer Parallelimporteur Axeleris Pharma GmbH. Aktuell wurden in Österreich keine Fälschungen entdeckt, wohl aber aber in anderen Ländern.

Jedenfalls haben das LKH Leoben/Eisenerz und das Krankenhaus Fürstenfeld der steirischen Krankenhausgesellschaft KAges „Ware aus den für Österreich identifizierten Chargen an Avastin und MabThera erhalten“, wie das Ministerium mitteilte. Das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) als zuständige Behörde in Österreich führte umfangreiche Vorkehrungen und Informationsaktivitäten für Apotheker und Krankenhausträger zu dem Thema durch. Es waren allerdings nur noch wenige Durchstechflaschen der Arzneimittel aus den potenziell betroffenen Chargen in den Spitälern vorhanden.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Einen Rückschluss von Nebenwirkungen im Rahmen der Behandlungen auf eventuell dabei verwendete gefälschte Mittel ist nicht möglich. „Dem BASG liegen im Zeitraum von Jänner 2013 bis Mai 2014 insgesamt 70 Nebenwirkungsmeldungen für Avastin und 52 für MabThera aus Österreich vor. Es kann jedoch kein Rückschluss auf einen Zusammenhang mit der Verwendung von potenziell gefälschtem Avastin oder MabThera gezogen werden“, heißt es in der Anfragebeantwortung. Es gebe auch nicht mehr Nebenwirkungsmeldungen als in der Vergangenheit.

Auf dieses Manko hatten österreichische Krebsspezialisten bereits während der Affäre mehrfach hingewiesen. Die von den Fälschungen betroffenen Medikamente werden für Schwerkranke eingesetzt. Es handelt sich um High-Tech-Medikamente aus der Biotechnologie, die an sich ein entsprechenden Nebenwirkungspotenzial haben. Auch eine fehlende Wirkung infolge der Anwendung einer Fälschung wäre wohl schwer nachzuweisen. Parallelimporte von Arzneimitteln sind in der EU zwar unter den festgelegten Sicherheitsbestimmungen zulässig, jedes Umpacken etc. erhöht aber automatisch das Risiko. Oft gehen solche Medikamente über lange Lieferketten. Der Wiener Krankenanstaltenwerbung (KAV) hat im Rahmen der Affäre betont, überhaupt keine Arzneimittel von Parallelimporten zu verwenden. Der Preisvorteil bei Kauf von Parallelimporten liegt bei solchen Medikamenten bei zwei bis fünf Prozent, so der Verband der pharmazeutischen Industrie (Pharmig).


Kommentieren