Ukraine-Krise - Russisches Lager an Grenze zur Ukraine weckt Argwohn

Rostow am Don (APA/Reuters) - Der Grenzzaun ist niedergerissen. Nur wenige Meter von der Grenze zur Ukraine entfernt, auf russischem Boden, ...

Rostow am Don (APA/Reuters) - Der Grenzzaun ist niedergerissen. Nur wenige Meter von der Grenze zur Ukraine entfernt, auf russischem Boden, haben Truppentransporter oder Panzer tiefe Spuren eingegraben. Ganz in der Nähe - in der Region Rostow - liegt ein militärisches Ausbildungslager. Berichte, es handle sich um ein Trainingslager für prorussische Separatisten im Nachbarland, weist Russland zurück.

Bäume versperren Neugierigen den Blick von der Straße auf das Gelände in der Region Rostow. Panzersperren sichern die Zufahrt. Drei Uniformierte ohne Hoheitsabzeichen schieben Wache. „Das hier ist ein Lager“, bestätigt einer von ihnen. „Es werden Übungen abgehalten.“ Wer dort ausgebildet wird, will der Mann nicht sagen. Offiziell heißt es, in dem Lager in der Nähe der Stadt Kamensk-Schachtinsky würden Grenzschützer ausgebildet, heißt es.

Bei näherer Betrachtung mehren sich allerdings die Zweifel: In dem Lager bewegen sich für den Grenzschutz untypische Militärfahrzeuge - mit Kennzeichen für die Kaukasus-Regionen Tschetschenien und Nord-Ossetien. Ein Fahrzeug ohne jedes Kennzeichen fährt auf das Gelände - die prorussischen Separatisten in der Ostukraine pflegen, die Nummernschilder abzuschrauben. Auch die sonst üblichen Fahnen wehen nicht über dem Lager. Kein Wappen ist zu sehen.

An einer Stelle der Grenze ist der Stacheldraht durchtrennt, sodass bequem Fahrzeuge passieren können. Als sich Reuters-Journalisten dem Ort nähern, werden sie von russischen Grenzschützern weggescheucht. „Es ist besser, hier nicht entlang zu fahren“, droht einer von ihnen.

Wassili Malajew, der Sprecher des russischen Grenzschutzes, erklärt, das Schlupfloch im Grenzzaun diene ja nur den Anwohnern dazu, zu ihren Datschen im Nachbarland zu gelangen. Militärfahrzeuge seien dort nicht gesichtet worden. Bewohner einer nahe gelegenen russischen Stadt bestätigen aber, sie hätten in jüngster Zeit wiederholt gepanzerte Fahrzeuge gesehen.

Ukrainischen Angaben zufolge hat Russland an der Grenze zur Ukraine rund 45.000 Soldaten und schweres Kriegsgerät zusammengezogen. Der Westen wirft der russischen Führung vor, die Separatisten in der Ostukraine mit Waffen auszurüsten und sie auszubilden. Russland weist das zurück.

Dass Kettenfahrzeuge ihre breiten Spuren hinterlassen haben, ficht Malajew nicht an. Die müssten doch nicht von Panzern stammen. Es könnten ja auch Traktoren gewesen sein, schließlich gebe es viel Landwirtschaft in der Gegend, sagt der Sprecher des Grenzschutzes. Warum die Spuren aber in Richtung des Ausbildungslagers führen, kann er nicht erklären.


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