Saisoniers leiden unter kurzer Sommersaison

Im Bezirk Imst stieg die Arbeitslosigkeit im ersten Halbjahr weniger stark als im Rest Tirols. Tourismusbetriebe sperren immer später auf.

Von Matthias Reichle

Imst –Im ersten Halbjahr 2014 haben sich insgesamt 5053 Personen aus dem Bezirk Imst arbeitslos gemeldet. Durchschnittlich waren jedes Monat 2015 ohne Job – um 1,81 Prozent mehr als im Jahr davor, berichtet AMS-Chef Erwin Klinger. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 7,4 Prozent. Damit liegt die Region tirolweit an dritter Stelle hinter den Bezirken Landeck (10,5 Prozent) und Lienz (10,9 Prozent). „Landeck ist noch stärker tourismusorientiert“, betont der Leiter des Arbeitsmarktservice.

Auch der Juli brachte heuer nicht die erhoffte Entspannung. „Früher herrschte Vollbeschäftigung“, so Klinger. Mit 1293 vorgemerkten Arbeitslosen ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr aber im Steigen. „Der Juli zählt für mich nicht mehr zur Hochsaison.“ So mancher Betrieb sperrt erst im August auf. Diese kurze Sommersaison hat aber für die betroffenen Saisoniers im Bezirk einen unangenehmen Nebeneffekt, so Klinger. „Sie erwerben sich keine neue Anwartschaft auf Arbeitslosengeld.“ Im schlimmsten Fall ist der Arbeitslosenantrag vom Frühjahr noch gültig – die kurze Beschäftigungsphase gilt dann nur als Unterbrechung. „Und irgendwann fällt der Betroffene aus der Arbeitslosigkeit hinaus und in die Notstandshilfe hinein“, so Klinger.

Ansonsten haben sich der späte Ostertermin und die daraus resultierende lange Wintersaison heuer positiv ausgewirkt – aber gleichzeitig einen kleinen Einbruch bei der Beschäftigung im März verursacht.

Insgesamt hat das AMS Imst im ersten Halbjahr über 15 Millionen Euro ausbezahlt – 11,3 Millionen davon als Arbeitslosengeld, erklärt AMS-Mitarbeiter Charly Friskovec. Die nächsten größeren Budgetposten sind neben der Notstandshilfe (2 Mio. Euro) das Weiterbildungsgeld (600.000 Euro).

Die Prognose für das zweite Halbjahr sei vorsichtig zurückgenommen worden, so Klinger. „Man rechnet nicht mit Verbesserungen.“ Eher damit, dass die Verweildauer in der Arbeitslosigkeit länger wird. Im Bezirk Imst ist diese auch aufgrund des Tourismus mit 60 Tagen noch relativ kurz.


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