Entscheidende Gaza-Gespräche vor Ende der dreitägigen Waffenruhe

Gaza/Kairo (APA/dpa) - Im Gaza-Konflikt läuft die Zeit für Verhandlungen ab. Am letzten Tag einer dreitägigen Waffenruhe zwischen Israel und...

Gaza/Kairo (APA/dpa) - Im Gaza-Konflikt läuft die Zeit für Verhandlungen ab. Am letzten Tag einer dreitägigen Waffenruhe zwischen Israel und den Palästinensern sprach sich Ägypten nach palästinensischen Angaben für eine Verlängerung der Feuerpause aus, um die Gespräche in Kairo fortsetzen zu können. Bei der Explosion eines Blindgängers im Gazastreifen starb ein italienischer Journalist.

Qais Abdul Karim, Mitglied der palästinensischen Delegation in Kairo, sagte am Mittwoch, die Kluft bei den indirekten Gesprächen mit Israel sei immer noch groß. Ohne echte Fortschritte würden die Palästinenser aber keiner Verlängerung der 72-stündigen Waffenruhe über Mittwoch hinaus zustimmen. Die Verhandlungen am Mittwoch seien daher „von kritischer Bedeutung“.

Die israelische Delegation kam am Mittwoch nach Beratungen in Israel wieder zu neuen Verhandlungen nach Kairo. Die vereinbarte Feuerpause läuft bis 23.00 Uhr (MESZ). Sollte es bis dahin keine Einigung geben, wird ein neuer Ausbruch der Gewalt befürchtet. Israels Armee ist bereits darauf vorbereitet, dass die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen nach Ende der Feuerpause wieder beginnen könnten. Der israelische Verteidigungsminister Moshe Yaalon sagte am Dienstagabend, die Offensive im Gazastreifen sei noch nicht zu Ende.

Ein Vertreter der radikal-islamischen Hamas sagte dem israelischen Rundfunk am Mittwoch: „Wir nehmen den Kampf nicht gerne wieder auf, aber wenn wir an die Wand gedrängt werden, haben wir keine andere Wahl.“ Die Hamas sei nicht zufrieden mit dem Verhalten der ägyptischen Vermittler in Kairo, sagte er den Angaben zufolge. Diese verhielten sich der Hamas gegenüber feindseliger als die Israelis. Die im Gazastreifen herrschende Organisation fordere daher, einen europäischen Vermittler in die Gespräche einzuschalten.

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman sagte am Mittwoch, sein Land bestehe bei den Verhandlungen darauf, die Leichen von zwei israelischen Soldaten zurückzubekommen. Anderenfalls werde es keine Einigung geben. „Wenn die Leichen nicht zurückgegeben werden, werden wir der Hamas die Leichen (des Militärchefs) Mohammed Deif und (des früheren Ministerpräsidenten) Ismail Haniyeh zurückgeben“, sagte Lieberman nach Angaben der israelischen Nachrichtenseite „ynet“.

Israel hatte seine Offensive im Gazastreifen am 8. Juli als Reaktion auf fortwährenden Raketenbeschuss seiner Grenzorte begonnen. Vor gut einer Woche zog es seine Bodentruppen wieder ab, setzte seine Luftangriffe aber fort, mit Unterbrechungen während zweier Feuerpausen.

Seit Beginn der Offensive sind nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums mehr als 1950 Menschen getötet und mehr als 10.000 verletzt worden. Es ist der bisher längste und verlustreichste Gaza-Krieg, die Zerstörungen in dem Palästinensergebiet sind verheerend. Auf der israelischen Seite wurden 64 Soldaten und drei Zivilisten getötet. Mehrere hundert Menschen erlitten Verletzungen.

Die Hamas fordert als Bedingung für ein Ende der Raketenangriffe eine Aufhebung der Blockade des Gazastreifens durch Israel und Ägypten. Weitere Forderungen sind der Bau eines See- und Flughafens sowie die Freilassung von Häftlingen.

Palästinenser warfen Israel am Mittwoch erneut einen Bruch der Waffenruhe vor. Augenzeugen berichteten, ein israelisches Militärschiff habe Schüsse auf ein palästinensisches Fischerboot abgegeben. Eine israelische Militärsprecherin sagte, ein palästinensisches Motorboot habe versucht, die von der Armee ausgewiesene Zone zu verlassen. Daraufhin seien „Warnschüsse“ in die Luft abgefeuert worden. Am Dienstag hatte sich ein ähnlicher Vorfall ereignet.

Der ehemalige israelische Botschafter in den USA, Michael Oren, sprach sich am Mittwoch für die Bildung einer eigenen israelischen Untersuchungskommission zum Gaza-Krieg aus. Wenn daran auch internationale Repräsentanten beteiligt wären, könne diese als Gegengewicht zu der UN-Kommission dienen, sagte Oren dem israelischen Rundfunk. Israel hatte den Leiter der dreiköpfigen Kommission, den kanadischen Jus-Professor William Schabas, als voreingenommen kritisiert. Es wird erwartet, dass Israel nicht mit der UN-Kommission zusammenarbeitet, die Verantwortliche für strafbare Menschenrechtsverstöße im Gaza-Krieg ermitteln soll.

Bei der Explosion eines israelischen Blindgängers im Norden des Gazastreifens wurden am Mittwoch sechs Menschen getötet, darunter zwei Journalisten. Unter den Toten war der italienischer Fotojournalist Simone Camilli und ein palästinensischer Journalist. Das Geschoss war palästinensischen Angaben zufolge von der israelischen Armee bereits vor Inkrafttreten einer Waffenruhe vor einigen Tagen abgefeuert worden, aber beim Aufprall nicht detoniert.

Ein Sprecher des Innenministeriums in Gaza teilte mit, Sprengstoffexperten der Polizei hätten versucht, die israelische Rakete aus einem dicht bewohnten Viertel in ein offenes Gebiet zu transportierten. Dort sollte sie dann kontrolliert gesprengt werden. Das Geschoss sei dann jedoch plötzlich explodiert. Dabei sei auch der Kommandant der Polizei-Einheit ums Leben gekommen.


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