Musizieren wider die Beliebigkeit

Innsbruck – „Mit allem technischen Können unterfütterte Spielwut“, attestiert die Presse der Hofkapelle München, die morgen Sonntag bei den ...

Innsbruck – „Mit allem technischen Können unterfütterte Spielwut“, attestiert die Presse der Hofkapelle Münche­n, die morgen Sonntag bei den Festwochen auf Schloss Ambras gastiert. Das Motto „London Connection“ umklammert Kompositionen von Geminiani, Händel, Veracini, Babell und Porpora.

Die Qualität des Originalklang-Ensembles, die ihm einen Echo und einen Preis der deutschen Schallplattenkritik eingebracht hat – gefeiert wurd­e zuletzt die Einspielung von Bachs „Branden­burgischen Konzerten“, – kommt nicht von ungefähr. Rüdiger Lotter, seit 2009 Leiter der Hofkapell­e, kennt die Voraussetzungen: „Die richtigen Musiker zusammenbringen, wissen, wie man probt und für die inner­e Motivation die richtige Repertoireauswahl treffen.“ Ansetzen möchte man in jener Zeit, als die berühmte, reich besetzt­e Mannheimer Hof­kapelle nach München übersiedelte. Da gäb­e es viele heute unterbelichtete Komponisten mit guten Werken, man würde auch gerne Große wie Haydn und Mozart mit Unbekannten flankieren und hat viele Ideen mehr. Lotter: „Aber ich denke pragmatisch. Denn wir sind ja absolut unsubventioniert.“ Bayerns Kulturminister hört nur gern zu.

Lotter ist einer der führenden Barockgeiger. Sein Engagement für Johann Adolph Hasse trägt Früchte, seine aktuelle Einspielung der Solosonaten Bachs erregt Aufmerksamkeit. Ein Jahr hat er daran gearbeitet. Lotter schreibt selbst Booklet-Texte, verfolgt breitgestreute Projekte, unterrichtet. Was bleibt in der Szene Alter Musik zu tun? „Ich profitierte noch von der alten Pioniergeneration, die die Werke auch geistig in ihrem Kontext und ihrer Binnenstruktur zu verstehen suchte. Die junge Generation denkt nicht mehr so viel, tut einfach. In dieser neuen Beliebigkeit gibt es bald wieder Entscheidendes zu tun.“

Nach Innsbruck kommt Lotter am Sonntag mit seiner Guarneri-Kopie, ohne seine Tiroler Stainer-Geige von 1665, die ist beim Geigenbauer. Was macht eine Stainer so besonders? „Die berühmte Farbigkeit, die große Flexibilität im Ton und Tragfähigkeit, der Reichtum an Obertönen. Dafür ist sie nicht so laut.“ (u.st.)

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