E.ON-Geschäft in Türkei und Brasilien läuft nicht rund

Düsseldorf (APA/Reuters/dpa-AFX) - Der größte deutsche Energiekonzern E.ON will trotz der Ukraine-Krise seine Geschäfte in Russland ausbauen...

Düsseldorf (APA/Reuters/dpa-AFX) - Der größte deutsche Energiekonzern E.ON will trotz der Ukraine-Krise seine Geschäfte in Russland ausbauen. „Russland bleibt ein ganz wichtiges Geschäft“, sagte Konzernchef Johannes Teyssen am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Zuvor hatte er Einbußen im russischen Markt einräumen müssen. Auch die neuen Märkte Türkei und Brasilien schwächeln.

Im ersten Halbjahr sei in Russland wegen negativer Währungseffekte und höherer Brennstoffkosten der operative Gewinn um ein Viertel gefallen. „Die Krise in der Ukraine verfolgen wir mit Sorge, gehen aber davon aus, dass wir weiter erfolgreich mit russischen Unternehmen zusammenarbeiten werden“, schrieb er den Aktionären. E.ON hat in das Gas- und Stromgeschäft des Landes über 8 Mrd. Euro investiert.

Auch die von Teyssen vorangetriebenen Geschäfte in neuen Märkten wie der Türkei und Brasilien laufen nicht rund. In der Türkei hat E.ON die Anteile des österreichischen Verbund an der Enerjisa - ein Joint-Venture mit der türkischen Sabanci-Gruppe - übernommen. Der Verbund hat bei dem Asset Swap im Gegenzug die Anteile von E.ON-Wasserkraftwerken in Bayern erhalten. Die rund 1,5 Mrd. Euro schwere Transaktion war 2013 abgeschlossen worden. Enerjisa mache Fortschritte bei der Integration der im vergangenen Jahr erworbenen Stromverteil- und Vertriebsunternehmen, heißt es im E.ON-Zwischenbericht. In den weiteren Nicht-EU-Ländern, unter anderem einschließlich der at equity einbezogenen Aktivitäten in Brasilien und der Türkei, schrieb E.ON im ersten Halbjahr einen EBITDA-Verlust von 35 Mio. Euro. Der negative Ergebnis-Beitrag der Türkei sei dabei in erster Linie auf das negative Finanzergebnis, niedrigere Erzeugungsmengen aus Wasserkraft und hohe Strombeschaffungskosten zurückzuführen, heißt es im heute vorgelegten Halbjahresbericht.

Die Netto-Buchgewinne des gesamten E.ON-Konzerns waren im ersten Halbjahr mit rund 300 Mio. Euro nur ein Sechstel der Summe im Vergleichszeitraum. Der hohe Vorjahreswert von 1,8 Mrd. Euro enthielt laut Zwischenbericht unter anderem Buchgewinne aus der Abgabe der bayerischen Wasserkraftwerke an den Verbund und dem damit zusammenhängenden Markteintritt in die Türkei sowie aus Veräußerungen der E.ON Thüringer Energie, der Beteiligung am slowakischen Energieunternehmen Slovensky Plynarensky Priemysel und auch dem Verkauf von Wertpapieren und Netzteilen in Deutschland.

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In Brasilien gibt es unter anderem Verzögerungen bei neuen Kraftwerken der Tochter Eneva. Im Mai hatte E.ON zugesagt, erneut 200 Mio. Euro in die Sanierung des Unternehmens zu stecken, insgesamt sind es nun 1,3 Mrd. Euro geworden. Nach E.ON-Angaben laufen noch immer Gespräche mit dem brasilianischen Regulierer, wer für die entstanden Erzeugungsausfälle des Gaskraftwerkes Parnaiba zahlen muss.

Im Gesamtkonzern schrumpfte der operative Gewinn (EBITDA; Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) in den ersten sechs Monaten um 12 Prozent auf 5 Mrd. Euro. Teyssen bekräftigte die Prognose, dass der operative Gewinn im Gesamtjahr auf 8,0 bis 8,6 Mrd. Euro fallen wird, nach 9,3 Mrd. Euro im Vorjahr. Der um Sondereffekte bereinigte Konzernüberschuss sank im Halbjahr um ein Fünftel auf 1,5 Mrd. Euro. Der Umsatz ging um 12 Prozent auf 56,1 Mrd. Euro zurück.

Für den Gewinnrückgang im Halbjahr waren neben der Russland-Schwäche auch Einbußen im Gasabsatz durch den milden Winter verantwortlich und der Wegfall veräußerter Unternehmen wie des Müllverbrennungsgeschäfts E.ON Energy from Waste. In der Stromerzeugung konnte E.ON nach den hohen Verlusten der Vergangenheit zulegen. Der Konzern profitierte dabei von niedrigeren Zahlungen für die Kernbrennstoffsteuer nach der Ankündigung der vorzeitigen Stilllegung des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld.

Teyssen verwies darauf, dass das russische Stromgeschäft in den vergangenen Jahren solide Ergebnisse gebracht habe. Auch jetzt sehe er keine längerfristige Nachfrageschwäche. „Die Rubelkursentwicklung ist für uns natürlich per se die größte Auswirkung.“ Im kommenden Jahr wolle der Konzern zumindest auf Rubel-Basis in Russland sein Ergebnis steigern. Bis 2015 wird E.ON über 10 Mrd. Euro in den russischen Markt investiert haben - neben dem Aufbau des Stromversorgers E.ON Russia haben die Düsseldorfer über 2 Mrd. Euro für die Beteiligung am sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje gezahlt und mehrere hundert Millionen Euro für den Anteil an der Ostsee-Pipeline, die Gas aus Sibirien nach Deutschland bringt. Russland hatte im vergangenen Jahr rund 7 Prozent zum operativen Gewinn des Konzerns beigetragen.

Das Ökostromgeschäft des lange Zeit vor allem auf Atomkraft und Kohlekraftwerke setzenden Energieriesen erweist sich hingegen immer mehr als Gewinnbringer. Die Sparte Erneuerbare Energien steigerte ihr Betriebsergebnis um sieben Prozent auf 870 Mio. Euro. E.ON hat seit 2007 rund 9,5 Mrd. Euro in den Aufbau des Geschäfts investiert.

An der Börse kamen die Ergebnisse gut an. „Die Zahlen sind nicht so schlecht ausgefallen wie erwartet - einige hatten sogar mit einer Gewinnwarnung gerechnet“, sagte ein Händler. Die Aktie kletterte zeitweise um fast fünf Prozent auf 13,80 Euro und war damit der größte Dax-Gewinner.

~ ISIN DE000ENAG999 WEB http://www.eon.com/ ~ APA349 2014-08-13/14:26


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